Ostdeutsche Erntehelfer sollen verstärkt im Westen eingesetzt werden
9 000 Arbeitslose wollen Spargelstechen

Die von der Bundesregierung beschlossene Erntehelfer-Regelung findet bei vielen Erwerbslosen offenbar großen Anklang. Laut Gesetz sollen mindestens 10 Prozent der Stellen ab diesem Jahr deutschen Jobsuchenden besetzt werden. Im Vorfeld hatten Landwirte allerdings die Arbeitsmoral ihrer Landsleute bemängelt.

HB HAMBURG. Rund 9.000 Erwerbslose haben sich nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit (BA) in diesem Jahr als Erntehelfer für Spargel und Erdbeeren gemeldet. Im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung forderte BA-Sprecher John-Philip Hammersen die deutschen Bauern auf, die Kräfte nun auch einzusetzen und die geänderten Regelungen nicht zu umgehen.

Ein neues Gesetz sieht vor, dass zehn Prozent der bislang fast ausschließlich mit billigen Arbeitskräften aus Osteuropa besetzten Stellen bei der Erntehilfe an deutsche Jobsuchende gehen müssen. 2005 seien dafür 350.000 Polen und andere ausländische Saisonarbeiter eingesetzt worden, heißt es in der Bericht. Anfänger erhielten etwa zwei Euro pro Kilo gestochenem Spargel und kämen so auf 30 bis 40 Euro brutto am Tag. Bei Hartz-IV-Empfängern werden die Einkünfte auf das Arbeitslosengeld II angerechnet.

Zuvor hatte die Bundesregierung eine unbürokratische Umsetzung der umstrittenen Erntehelfer-Regelung versprochen. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) Öffnungsklauseln etwa bei einer Ausdehnung der Anbaufläche zugesagt. Landwirte aus dem Westen Deutschlands hatten angekündigt zur Ernte dieses Jahr verstärkt arbeitslose Ostdeutsche einsetzen zu wollen.

Im Bundesland Hessen haben sich bereits zahlreiche Erwerbslose aus Ostdeutschland für die Erntehilfe gemeldet. Nachdem mehrere Bauern aus der Region nach Eberswalde gereist waren, um Einstellungsgespräche mit - von der dortigen Arbeitsagentur zuvor ausgewählten - Arbeitslosen zu führen, hätten 71 Jobsuchende gleich Arbeitsverträge unterzeichnet. Im Agenturbezirk Eberswalde nordöstlich von Berlin liegt die Arbeitslosenquote bei 21,5 Prozent.

"Solche Beispiele müssen Schule machen", erklärte Ulrich Waschki von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. "Wir haben die anderen westdeutschen Agenturen aufgefordert, sich ebenfalls Partner im Osten zu suchen." Mit Blick auf frühere Diskussionen, wonach deutsche Arbeitslose solche Arbeiten nicht übernehmen wollten, verwies Waschki auf den Erfolg der Eberswalder Aktion. "Man sieht, dass Menschen bereit sind, auch für eine so niedrig bezahlte Arbeit quer durch das Land zu reisen", sagte er.

Bevor das Gesetz Ende vergangenen Jahres nach einem Vortstoß von Vize-Kanzler Franz Müntefering beschlossen worden war, zeigten sich viele Landwirte verärgert über den Beschluss. Auch FDP-Generalsekretär Guido Westerwelle forderte damals den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und das Bundesarbeitsministerium auf, die Beschäftigungsauflagen bei Ernteeinsätzen zurückzunehmen. Die Bauern hatten beklagt, dass arbeitslose Erntehelfer häufig der Arbeit fernbleiben und „krankfeiern“ würden. Westerwelle hatte deshalb an das Ministerium appeliert, die Probleme nicht auf dem Rücken der Landwirte auszutragen.

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