Osterpredigt
Bischof Zollitsch kritisiert Manager

Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat in seiner Osterpredigt heftige Kritik an Managern und Unternehmern geübt. Auch der katholische Augsburger Bischof Walter Mixa sorgt für Wirbel: In seiner Predigt geißelte er den zunehmenden Atheismus in der Gesellschaft und führte den Nationalsozialismus auf Gottlosigkeit zurück.

HB FREIBURG/AUGSBURG/ROM/KÖLN. In seiner Osterpredigt im Freiburger Münster sagte er: "Von einer Gier nach immer mehr infiziert, lassen sie keinerlei Solidarität mehr erkennen mit den vielen Menschen, die tagtäglich ihre Arbeit verlässlich und verantwortungsvoll tun." Viele derer, die Verantwortung getragen haben, würden als moralisch und ethisch korrumpiert erlebt.

Aufrichtigkeit und Wahrheit sollten gestaltende Kraft in der ganzen Gesellschaft werden, wie der katholische Bischof weiter ausführte. Um die gegenwärtige Krise zu überwinden, seien Hoffnung und Vertrauen die entscheidenden Haltungen: "Sie geben und Kraft, aktiv zu handeln, und dies gemeinsam im Vertrauen auf Gottes Hilfe und im Vertrauen aufeinander."

Der Augsburger Bischof Walter Mixa klagte über einen zunehmend aggressiven Atheismus in Deutschland. "Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet", heißt es in Mixas vorab veröffentlichter Osterpredigt. "Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden."

Wer dem Menschen den Glauben an Gott nehme, raube ihm das Wichtigste im Leben. "Ohne Gott ist alles erlaubt", zitierte der Augsburger Oberhirte am Sonntag warnend den russischen Dichter Fjodor Dostojewski (1831- 1881). Wo der christliche Glaube schwinde, komme deshalb nicht das "helle Licht irgendeiner fröhlichen Aufklärung" zum Vorschein.

"Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen", sagte Mixa, der auch Militärbischof der katholischen Kirche in Deutschland ist. Immer seien in diesen Systemen die Christen und die Kirche besonders verfolgt worden. Auch in der Gegenwart würden durch gottlose Verhaltensweisen in allen Teilen der Welt Menschen wirtschaftlich und moralisch ausgebeutet, wenn etwa Kinder zum Kriegsdienst oder Frauen zur Prostitution gezwungen würden, wenn gerechter Lohn verweigert werde oder Menschen an Hunger sterben müssten. Ohne christlichen Glauben gebe es dauerhaft keine wahre Menschlichkeit.

Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen kritisierte Konsumanreize als falschen Weg zur Überwindung der Wirtschaftskrise. „Es kann nicht immer nur auf Wachstum gesetzt werden“, sagte die Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche am Sonntag im Deutschlandfunk. „Wir brauchen Werte, die von anderer Bedeutung sind.“ Die westlichen Nationen müssten lernen, solider zu leben, statt sich ein „Wolkenkuckucksheim“ vorgaukeln zu lassen. „Wir müssen eine ganz neue Wirtschaftsordnung haben“, sagte Jepsen.

Die Bischöfin forderte die Menschen in Deutschland auf, sich zu beschränken und darauf hinzuwirken, „dass wir uns nicht immer neuen Schrott andrehen lassen“. „Das Erschütternde ist ja, dass wir jetzt befähigt werden sollen, unseren Konsum zu stärken“, etwa durch die Abwrackprämie. „Und dann wird es in einem Jahr schon wieder so sein, wie immer. Dann haben wir gar nichts gelernt.“

Papst Benedikt XVI. feierte unterdessen am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom vor Zehntausenden von Gläubigen und Touristen die Ostermesse. Dabei rief das katholische Kirchenoberhaupt dazu auf, Bosheit und Schlechtigkeit aus den Herzen zu vertreiben. „In seinem Leiden und Sterben offenbart sich Jesus als das Lamm Gottes, das am Kreuz „geopfert“ wird, um die Sünden der Welt hinwegzunehmen“, sagte Benedikt. Da Jesus sich für die Menschen geopfert habe, müssten diese sich „von allen Überbleibseln des alten Ferments der Sünde“ befreien.

„Der Auferstandene geht uns voraus und begleitet uns auf den Straßen der Welt“, rief Benedikt der Menschenmenge auf dem Platz zu. „Er ist unsere Hoffnung, er ist der wahre Friede der Welt.“

Bei wechselhaftem Frühlingswetter zeigte sich der Himmel über dem Vatikan an diesem ältesten christlichen Fest bedeckt. Wie schon seit mehr als zwei Jahrzehnten war der Petersplatz für Ostern mit Blumen aus Holland prächtig und überwiegend in Gelbtönen geschmückt worden.

Höhepunkt ist der sich anschließende Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis). In der Nacht hatte Benedikt im Dom die Osterwache gefeiert. Dabei wurde in der Vorhalle der Kirche das Osterlicht entzündet und in den Petersdom gebracht. Die Christen feiern an Ostern die Auferstehung Jesu von den Toten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%