Pakistanisches „MeToo“ Mord an kleinem Mädchen rüttelt Frauen auf

Familienehre ist für viele Pakistaner alles. Sexueller Missbrauch wird von einem Mantel des Schweigens umhüllt. Nun haben Vergewaltigung und Tod einer Siebenjährigen viele Menschen aufgewühlt. Aber bedeutet das etwas?
1 Kommentar
Die Polizisten führen den Verdächtigen ab. Quelle: AFP
Pakistan

Die Polizisten führen den Verdächtigen ab.

(Foto: AFP)

KasurZainab Ansari war sieben Jahre alt, als sie vergewaltigt und ermordet wurde. Die Pakistanerin verschwand Anfang Januar in ihrer Heimatstadt Kasur, als sie auf dem Weg zum Koran-Unterricht war. Wenige Tage später wurde ihre Leiche nicht weit entfernt auf einem Müllberg entdeckt. Es war nicht das erste Verbrechen dieser Art in Kasur. Aber ein Foto von der Kleinen von früher, lächelnd im pinkfarbenen Lieblingsmantel, ging in den sozialen Medien viral, führte den Schrecken dieser gewaltsamen Abkürzung eines jungen Lebens vor Augen.

So löste der Tod des Mädchens eine Welle der Empörung im Land aus – nicht nur über den Täter, sondern auch über die Polizei und die Regierung, denen Untätigkeit und mangelnder Schutz für Kinder angelastet wurde. Und über eine Kultur des Schweigens im Land, das sexuellen Missbrauch umgibt. Seit Zainabs Ermordung ist so etwas wie eine pakistanische Version der #MeToo-Bewegung aufgekeimt, sind mehrere prominente Frauen mit eigenen Erfahrungen an die Öffentlichkeit gegangen. Sie wollen einen Wandel von Traditionen bewirken, die missbrauchte Frauen stigmatisieren und, wie die Kritikerinnen sagen, eine ohnehin schon korrupte Polizei ermutigen, solche Verbrechen zu ignorieren.

So schilderte Maheen Khan, eine legendäre pakistanische Modedesignerin, auf Twitter, was ihr als Mädchen von einem Koran-Lehrer angetan wurde. „Wir sagen jetzt, genug ist genug. Wir hätten schon vor langer Zeit aufwachen sollen“, fügte die heute 73-Jährige, die zuvor nur einmal öffentlich über die sexuellen Übergriffe gesprochen hatte, in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP hinzu.

Was sie am meisten verstöre, sei das Schweigen, wenn ein kleines Mädchen vergewaltigt werde. „Das hat mit der Familienehre zu tun, Eltern sagen ihren Töchtern: „Sprecht nicht darüber, mit keinem.“ Unser Schweigen sagt, dass es in Ordnung ist, ein Kind sexuell zu belästigen.“

In Zainabs Fall hat die Polizei mittlerweile einen Tatverdächtigen festgenommen. Aber es blieb zunächst unklar, ob er auch für den Tod weiterer Kindern verantwortlich gemacht wird, die zuvor ebenfalls in Kasur entführt und vergewaltigt worden waren. Diese Kette von Verbrechen wurde erst im Zuge des Aufruhrs um Zainabs Tod publik. Erst dann veranlasste die Polizei auch Tests an allen Opfern und fand an acht von ihnen die gleichen DNA-Spuren – was auf einen Serienmörder hinweist.

Nur eines dieser Kinder, eine Sechsjährige, überlebte. Aber sie wurde so schwer verletzt und traumatisiert, dass sie nicht sitzen, den Kopf aufrichten oder sprechen kann. 15 Stunden lang hatte der Entführer das Mädchen festgehalten und gequält, unter anderem mit brennenden Zigaretten. Seine Tochter weine jetzt nur noch, schildert Vater Mohammad Ahsen. Das Verbrechen an ihr sei aber bis zu Zainabs Tod von der Polizei ignoriert worden.

Auch der Vater der fünfjährigen Ajescha, die zu den toten Opfern zählt, beklagt Untätigkeit nach der Entführung seiner Tochter im vergangenen Jahr. Er habe die Polizei gebeten, nach dem Kind zu suchen, sagte Mohammed Asif der AP. „Aber sie hatten kein Interesse daran. Sie waren mehr daran interessiert, es unter dem Deckel zu halten.“ Ajeschas Leiche mit Spuren von Vergewaltigung und Folter wurde zwei Tage nach dem Verschwinden des Mädchen entdeckt.

Wakas Abid, ein Anwalt und Leiter einer Aktivistengruppe, die – übersetzt – „Gute-Denker-Organisation“ genannt wird, schätzt, das in den vergangenen Jahren im Bezirk Kasur mindestens 20 Kinder entführt, vergewaltigt und getötet worden sind. Die Region im Osten Pakistans ist dicht bevölkert, etwa 2,5 Millionen Menschen leben hier.

Die Stadt Kasur ist von Brennofenanlagen sowie Gerberbetrieben umgeben und weist Hunderte von kleinen Fabriken auf, in denen Schuhe und Stickereiwaren hergestellt werden. Sie alle beschäftigen Kinder – und machen sie verwundbar für Missbrauch und Misshandlungen. 2015 etwa flog in der Stadt ein ausgedehnter Pornografie-Ring auf, der nahezu zehn Jahre lang operierte und fast 250 Kinder involvierte. Einige von ihnen wurden unter Waffenbedrohung zum Sex gezwungen.

Insgesamt sind 2016 in Pakistan 4.136 Fälle sexueller Übergriffe gegen Kinder gemeldet worden. Das geht aus den jüngsten verfügbaren Statistiken der Organisation Sahil hervor, die Buch über derartige Verbrechen führt und ihre Angaben auf Berichte in den Medien stützt.

Allerdings wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. Aber vielleicht ändert sich das jetzt etwas, ist die Offenheit, die Zainabs Tod ausgelöst hat, der Anfang von etwas Größerem? Das hofft jedenfalls die Schauspielerin und Kinder-Aktivistin Nadia Jamil, die nach eigenen Angaben nun aus Zorn und Frust über das traditionelle Schweigen mit ihre eigenen leidvollen Erfahrungen als Kind via Twitter an die Öffentlichkeit ging.

Sie selbst sei bei ihrem Schritt von Emotionen überwältigt worden, schilderte sie danach. Frieha Altaf, Model und Schauspielerin, die sich ebenfalls auf Twitter offenbarte, sieht in Zainabs Tod einen Katalysator, der Wandel bewirken kann. „Jetzt“, so sagt sie, „kann uns nichts mehr stoppen.“

Aber Anwalt Abid warnt, dass sich Änderungen nicht leicht vollziehen würden. Offene Sprache über sexuelle Angriffe werde wahrscheinlich bei religiösen Konservativen und auch bei vielen traditionstreuen Eltern auf Widerstand stoßen, sagt der Aktivist. Die Väter Ahsan und Asif haben indes erst einmal einen Wunsch: dass dem Mörder ihrer kleinen Töchter das Handwerk gelegt wird.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • ap
Startseite

Mehr zu: Pakistanisches „MeToo“ - Mord an kleinem Mädchen rüttelt Frauen auf

1 Kommentar zu "Pakistanisches „MeToo“: Mord an kleinem Mädchen rüttelt Frauen auf"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • In Pakistan herrscht der Islam. Und nach dem Islam ist Sex mit Mädchen ab Geschlechtsreife, die mit neun Jahren angenommen wird, zulässig. Mohammed hatte eine sechsjährige Frau, Aischa, mit der er verkehrte, nachdem als sie 9 Jahre alt war. Deshalb wird sich in Pakistan nichts ändern, und so ist es auch in anderen islamischen Ländern

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%