Palast der Republik wird abgerissen
In "Erichs Lampenladen" gehen die Lichter aus

Die seit seit 1990 geschlossene Palastruine gegenüber dem Berliner Dom soll einer Grünfläche weichen, bis die Haushaltslage den vom Bundestag im vergangenen Jahr beschlossenen Wiederaufbau des Stadtschlosses zulässt, der etwa 600 Millionen Euro kosten soll.

HB BERLIN. Der Abriss des DDR-Palastes wird auf 20 Millionen Euro veranschlagt, wovon zwei Drittel der Bund und ein Drittel das Land Berlin tragen. Bauminister Manfred Stolpe (SPD) hatte das unter Hinweis auf die finanziellen Notlage kritisiert. Der Berliner Bausenator Peter Strieder (SPD) besteht dagegen auf einen frühestmöglichen Abriss, der schon 2005 erfolgen könnte.

Mit dem Palast der Republik verschwindet ein Stück „gelebte DDR- Geschichte“ aus dem Berliner Stadtbild, da er auch gesellschaftlicher Treffpunkt war. Wegen seiner aufwendigen Ausstattung wurde er von vielen Ostberlinern auch „Palazzo Prozzi“ genannt. Am 2. November 1973 hatte DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker am damaligen Marx-Engels-Platz den Grundstein gelegt. Der aufwendigste Neubau Ost- Berlins nach dem Krieg an der Stelle des 1950 von der SED gesprengten Hohenzollernschlosses sollte nach seinen Worten „ein Haus des Volkes“ sein, vor allem aber die Einheit von Volk, Partei und Staat symbolisieren und neue „Hauptstadtgefühle“ wecken.

Vor 30 Jahren ließ die DDR-Führung nach offiziellen Angaben 485 Millionen Ostmark für den sozialistischen Prunkbau springen, was den Ärger in weiten Teilen der DDR-„Provinz“ erregte, wo überfällige Sanierungs- und Baumaßnahmen zu Gunsten dieses Mammutprojektes weiter warten mussten. Kritiker meinten damals auch, damit hätte man ganze Stadtviertel sanieren können. Daher rührte auch ein anderer Spitzname für das kostspielige und ehrgeizige Gebäude: „Ballast der Republik“.

In dem Gebäude tagte auch die "Volkskammer"

An kostbarem Material durfte nicht gespart werden. Für die 180 Meter lange Hauptfassade mit dem DDR-Staatswappen in der Mitte wurde weißer Marmor verwendet. Der Fußboden im Hauptfoyer wurde mit farbigen Natursteinen ausgelegt. Die Wände wurde mit edlen Hölzern und Porzellan verkleidet. Wegen der 10 000 Kugelleuchten hieß der Palast im Volksmund auch „Erichs Lampenladen“.

Das Gebäude nahm auch die DDR-„Volkskammer“ auf, die diesen Namen nicht verdiente. Mit seinem 5000 Plätze fassenden Hauptsaal war der Palast Tribüne für die pompösen SED-Parteitage. Abgesehen davon wurde er zwischen Berliner Dom und DDR-Staatsratsgebäude tatsächlich ein zentraler und populärer Treffpunkt für Show, Theater, Bälle, Konzerte und viele andere bunte Veranstaltungen. Außerdem bot er Restaurants, Cafés und Bars mit einer für DDR-Verhältnisse nicht gerade typischen Vielfalt und Angebotspalette.

Heute ist das Gebäude entkernt und nur noch ein Stahl- und Betonskelett mit blinder Außenverglasung. Im Frühsommer gab es erstmals öffentliche Führungen durch die Halbruine, und auch Veranstaltungen im kleineren Rahmen fanden wieder statt.

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