Palermos Umgang mit der Vergangenheit
Per App zu den Tatorten der Mafia

Die italienische Mafia ist nicht mehr im Fokus wie einst, doch die Morde werden nicht vergessen. Mit einer App halten junge Sizilianer die Erinnerungen an die Taten wach – und bieten einen Service für Touristen.

Für Sizilien-Touristen gehört die Mafia-Tour inzwischen fest zum Besuchsprogramm. Schaudernd schlendern sie durch Corleone und bestaunen das Haus des Paten Bernardo Provenzano, der vor kurzem mit 83 im Gefängnis gestorben ist. Der ehemalige „Boss der Bosse“ war jahrzehntelang untergetaucht. Gefunden und verhaftet wurde er 2006 ganz in der Nähe von Corleone, in einem Schuppen auf dem Land, von wo er die „Cosa Nostra“ mit Hilfe von kleinen, handgeschriebenen Zetteln, den „pizzini“, steuerte.

Und in Palermo gibt es viele Straßenecken, an denen die Mafia Morde verübt hat. Doch während die Touristen wohlig schaudernd staunen, sind die Mafia-Morde bei den Italienern im kollektiven Gedächtnis verankert, auch wenn es in den 80er und 90er Jahren war, als sie das Land erschütterten.

Der Bombenanschlag auf den Mafiajäger Giovanni Falcone auf der Autobahn vom Flughafen nach Palermo, bei der er, seine Frau und vier Leibwächter starben, jährte sich am 23. Mai zum 24. mal. In Palermo selbst starb am 19. Juli 1992 sein Freund und Kollege Paolo Borsellino bei einem Bombenanschlag, als er seine Mutter besuchen wollte. Auch seine Leibwächter wurden in den Tod gerissen.

„Wir mussten mit dieser schrecklichen Realität leben“, sagt Piero Grasso, heute Senatspräsident in Rom – er war damals einer der Richter des Antimafia-Pools, die versuchten, die ehrenwerte Gesellschaft zu bekämpfen. Eine Realität, die mehr als 20 Jahre später im Alltag angekommen ist. „Bei uns heißt es, wenn man sich verabredet: Sehen wir uns in der Straße, in der Borsellino ermordet wurde?“, sagt Grasso. Und doch ist der Kampf gegen die Mafia in Vergessenheit geraten. Es gibt keine spektakulären Morde mehr.

Junge Sizilianer halten auf ihre Weise die Erinnerung wach und bieten gleichzeitig einen Service für Touristen, der über Klischee-Touren hinausgeht. Telecom Italia hat in Zusammenarbeit mit der Mafiaopfer-Organisation „sulle nostre gambe“ eine App für Tablet und Smartphone entwickelt: NOma, abgekürzt für „No Mafia“. Die App, kostenlos und beim Herunterladen außerhalb Italiens automatisch auf englisch, ist eine Art Stadtplan der anderen Art.

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Per App zu den Tatorten der Mafia

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App liefert Informationen zu den Morden

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