Panne bei der Deutschen Bahn
500 ICE-Fahrgäste erst nach Stunden evakuiert

Rund 500 Fahrgäste steckten im ICE auf der Fahrt von Stuttgart nach Berlin fest. Ursache waren defekte Bremsen. Erst nachdem ein Ersatzzug aus Berlin geordert wurde, ging es weiter – doch auch dieser hatte Verspätung.
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BerlinRiesen-Panne bei der Deutschen Bahn: Rund fünf Stunden Verspätung hatte ein ICE am Montag auf dem Weg von Stuttgart nach Berlin. Gegen 16 Uhr ging plötzlich nichts mehr. Auf offener Strecke kam der ICE kurz vor Stendal zum Stehen. Stundenlang mussten rund 500 Fahrgäste in dem ohnehin schon überfüllten Zug ausharren, bis sich der ICE mit gedrosselter Geschwindigkeit in den nächsten Bahnhof schleppte.

„Wir wussten erst überhaupt nicht, was Sache ist“, erzählt ein Fahrgast. „Der Grund für das Liegenbleiben ist uns nicht mitgeteilt worden. Es hieß zunächst, dass sich die Weiterfahrt aufgrund von Vandalismus und Oberleitungs-Diebstahl verzögert.“ Das stimmt nur indirekt. Denn der ICE litt unter „defekten Bremsen“, wie ein Bahnsprecher mitteilte.

Der Plan der Bahn war es, zunächst alle Fahrgäste auf offener Strecke in einen Ersatzzug umsteigen zu lassen. Doch dieser Notfallzug musste zunächst einmal aus dem rund 125 Kilometer entfernten Berlin bestellt werden. Letztendlich traf auch dieser erst nach Stunden verspätet am Einsatzort ein, so dass sich der defekte Zug doch noch in den nächsten Bahnhof schleppen konnte.

„Eine Evakuierung auf offener Strecke war dann nicht mehr nötig“, sagte der Bahnsprecher. Grund für die Verspätung des Ersatzzuges seien Oberleitungsdiebstähle im Brandenburger Raum gewesen. „Die Strecke war hier größtenteils nur eingleisig befahrbar“, teilte der Sprecher mit.

Laut Fahrgästen soll es in dem ICE ohnehin schon sehr eng gewesen sein. Der Ersatzzug bot allerdings noch weniger Platz. Das Gerangel um Plätze sei enorm gewesen. „Familien hatten es am schwierigsten. Als der Zug einfuhr, hieß es am kalten Bahnhof: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, berichtet ein Fahrgast. Letztendlich fanden aber doch alle Evakuierten im Zug Platz.

Die Deutsche Bahn sagte hierauf, dass man bei solchen Notfallzügen Enge in Kauf nehmen müsse, da es sich um eine Ausnahmesituation handele. Vor Ort kümmerte sich ein ambulantes Notfallteam um die medizinische Versorgung. Zudem gab es kostenlose Getränke für die Wartenden im Zug – die waren allerdings nach wenigen Minuten vergriffen.

Thomas Terhorst
Thomas Terhorst
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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