Panzerfahren
Einmal Eisenschwein, bitte

In Schönfelde kann man sich montags, mittwochs, freitags und Sonnabend wie ein Sowjet-Soldat fühlen. Dann kann man nämlich Panzerfahren. Und das ist wirklich was anderes als eine Lokomotive´zu steuern.

BEERFELDE. Wer an einem sonnigen Vormittag am Ortsschild von Schönfelde links abbiegt und auf einem Feldweg entlangrumpelt, der hört bald den Lärm einer großen, schweren Maschine. Sieht tiefe Spuren in den Sand gepflügt. Aber nicht von den Gummireifen eines Traktors. Sondern von breiten Metallketten.

Folgt man den Spuren, donnert der Maschinenlärm immer heftiger ins Ohr. Ein Parkplatz, eine Kurve, und dahinter sechseinhalb Hektar Acker. Groß, grün und laut brettert plötzlich ein Panzer durchs Gelände, eine dicke Staubwolke hinterher.

Ein Ungetüm von 34 Tonnen Stahl auf zehn großen und vier kleinen Rädern mit Ketten drumrum. Ein T55 sowjetischer Konstruktion. Der meistgebaute Panzer der Welt; der von 1958 bis 1981 zusammengeschweißt wurde. Das Werkzeug, mit dem der Prager Frühling 1968 niedergewalzt wurde, das Afghanistan besetzte, mit dem sich Iraker und Iraner in dern 80ern jahrelang beschossen.

Und ebenjenes Gerät, mit dem Moskau einst den Westdeutschland überrollen wollte, in vieltausendfacher Ausführung.

Der Tank gehört heute den Brüdern Axel und Jörg Heyse. Sie vermieten ihn. Eine halbe Stunde kostet 126 Euro. Fahren kann man montags, mittwochs, freitags und am Sonnabend. Mittlerweile stehen hier an der A12 östlich von Berlin sechs T55 zur Verfügung.

Jörg Heyse, 42 Jahre alt und blond, poltert mit den Freizeitfahrern durch die Gegend. Währenddessen kümmert sich sein Bruder Axel um die Buchhaltung. Ein Macher, 45 Jahre alt, Stoppelschnitt, graue Schläfen, kräftiger Händedruck. „Setzen Sie sich mal zehn Minuten hin, dann hab’ ich Zeit für Sie“, sagt er. Sehr energisch. Ordnung muss sein. Heyse war mal Stabsfeldwebel bei der NVA. Da brachte er Unteroffizieren das Panzerfahren bei.

Nach der Wende wurde er Kripobeamter. Da fehlten ihm aber die Panzer. „Das ist wie ein Virus, das kriegen Sie nicht mehr raus. Sie wollen die Kraft spüren“, erklärt er.

Die Brüder machten sich auf die Suche. In der Tschechischen Republik fanden sie einen „Schrotthaufen“, einen NVA-Bergepanzer, Modell „T 55 T“. Damit schleppen Soldaten Lastwagen oder andere Panzer ab. Die beiden brachten ihn nach Hause, reparierten ihn und fingen an, ein bisschen in der Gegend herumzukurven, auf gepachtetem Grund.

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