Papst Franziskus in den USA
„We love you, pope Francis!“

Tag eins des USA-Besuchs von Papst Franziskus. Zehntausende Zuschauer, prachtvolle Bilder und ein harmonisches Treffen. Der Papst spannt sofort den ganzen Bogen kritischer Themen.

WashingtonMehr Pracht und Feierlichkeit geht kaum. Mit einer mächtigen Inszenierung empfängt der US-Präsident seinen Gast. Der Garten vor dem Weißen Haus ist geschmückt und fahnengesäumt. Unter einem makellos blauen Himmel stehen Soldaten Spalier, eine Kapelle schmettert die Hymnen, ein Gospelchor gibt alles. Barack Obama trifft Papst Franziskus. Und der macht gleich klar, worum es ihm bei seinem ersten, historischen Besuch in den USA gehen wird.

Das heiße Eisen Einwanderung, der Kampf gegen den Klimawandel und die Freiheit der Religionen, der Schutz von Ehe und Familie - all dies in einem „kritischen Moment in der Geschichte unserer Kultur“: Franziskus schlägt in seiner Begrüßung einen weiten Bogen durch die Themen der kommenden Tage. Er spricht Englisch, das wird er bei seinen verbleibenden 17 Predigten und Ansprachen bis Sonntag nur noch drei Mal tun, der Argentinier bevorzugt sonst Spanisch.

Wie schon beim Empfang am Flughafen Andrews scheint die Stimmung bestens, freundlich, gelöst. Der Papst strahlt, Barack und Michelle Obama ebenso. Nur bei den militärischen Ehren, Hymnen und einer kleinen Parade rot berockter Soldaten in historischen Uniformen schaut Franziskus etwas verdrießlich.

Die Begrüßung ist herzlich, es gibt einen langen Handschlag. Nach der Zeremonie schlendern die beiden durch den Garten des Weißen Hauses ins Oval Office, ganz in ihr Gespräch vertieft. Obama erzählt seinem Gast etwas, gestikuliert. Anschließend nehmen beide in den hellbraunen Ledersesseln Platz. Nach wenigen Sekunden wird die Presse ausgesperrt, Obama und der Papst sprechen dann länger hinter verschlossenen Türen miteinander.

Noch nie war der 78 Jahre alte Franziskus in den USA. Dieser Papst ist anders, und er legt Wert darauf. Er fährt im Fiat 500L vor, was eines der kleinsten Autos sein dürft, das jemals in Washington Mittelpunkt einer Kolonne aus schwarzen SUV und blinkenden Motorrädern gewesen sein dürfte. Hochgezogene Augenbrauen im Land der PS-Boliden.

Obama, der einer protestantischen Glaubensgemeinschaft angehört, und der Papst werden bei ihren Ansprachen immer wieder von Applaus unterbrochen. Die Menschen jubeln, zücken ihre Handy und feiern den Gast mit Sprechchören. „We love you, pope Francis!“, ruft jemand zum Schluss. 15.000 Karten gab es für diesen Morgen.

Die National Mall ist gesäumt von Zehntausenden. Shamena Nurse (34) ist mit Sohn Aiden hier, beide sind gar nicht katholisch, aber sie empfindet den Papst als etwas ganz Besonderes, definitiv spreche er die Menschen an. Als die Kolonne des Papstes vorbeifährt, kocht die Stimmung fast über. Franziskus segnet die Mengen, lässt anhalten, küsst ein Kind.

Der Papst und der Präsident: Beiden ist bei allem Dissens daran gelegen, ihre Übereinstimmungen zu betonen und den Konsens zu nutzen. Den Kampf gegen den Klimawandel bezeichnet Obama als heilige Pflicht, der Papst lobt Obama für seine Initiative. Das Klima: Es verbindet die beiden mächtigen Männer sehr.

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„We love you, pope Francis!“

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Obama und Franziskus: Zwei die sich verstehen

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