Papst Franziskus wird 80
„Ihm liegt das Feiern nicht so“

Sein runder Geburtstag soll ein Tag wie jeder andere sein. Doch zum Achtzigsten von Papst Franziskus brodelt es tüchtig im Vatikan. Eine Gegenbewegung wird immer stärker. Im Zentrum der Debatte: Ein Brief.
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RomKuchen gab es schon, Geburtstagskerzen auch. Und das, obwohl der Papst durchaus abergläubisch ist. Vor seinem 80. an diesem Samstag solle man ihm doch bitte nicht gratulieren, denn das bringe Unglück, ließ Franziskus seine voreiligen Gratulanten diese Woche wissen. Doch die große Pontifex-Fete ist längst eröffnet.

Unter dem Stichwort #Pontifex80 laufen auf Twitter schon unzählige Glückwünsche ein, glühende Fans nennen 80 Gründe, den Papst zu lieben („Er war mal Türsteher“). Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, lobte: „Wir dürfen dankbar sein für Papst Franziskus.“

Für den Papst selbst soll es ein „normaler“ Tag werden, teilte der Vatikan mit. Nach einer Messe am Morgen mit Kardinälen spult der Papst „business as usual“ ab: Er empfängt Staatsbesuche, Bischöfe, Kirchenvertreter. Termine, Termine, Termine. Wie halt jeden Tag. Franziskus fehlt es auch mit 80 nicht an Reformeifer und Engagement. Obwohl der Wind, der ihm entgegen bläst, immer rauer wird. Denn so beliebt, wie es scheinen mag, ist er nicht. In den eigenen Reihen formiert sich fast vier Jahre nach seinem Amtsantritt ernstzunehmender Widerstand.

Im September hatten ihm vier Kardinäle, darunter Joachim Meisner und Walter Brandmüller aus Deutschland, einen öffentlichen Brief geschrieben. Darin forderten sie vom Oberhaupt der Katholiken Aufklärung über dessen Schreiben über Familie und Liebe, „Amoris Laetitia“. Im Kern geht es um die Frage, wie man in der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen umgehen soll und ob sie anders als bisher in Ausnahmefällen zur Kommunion zugelassen werden dürfen oder nicht.

Der Brief sei ein unglaublicher Vorgang, meinen viele. Von einem „schwerwiegenden Skandal“ hatte der Dekan eines der höchsten Gerichte der katholischen Kirche, Priester Pio Vito Pinto, gesprochen. Denn den Papst öffentlich zu kritisieren, ist bis dato ein Unding gewesen.

„So einen direkten Angriff von Kardinälen gegen den Papst hat es noch nie gegeben“, sagte der Vatikan-Kenner Marco Politi der Deutschen Presse-Agentur. „Und das ist nur die Spitze des Eisberges einer ständig wachsenden Opposition.“ Im Vatikan erzählen sich einige, Franziskus sei „böse“ über den Brief gewesen.

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