Papst-Grußworte zur Eröffnung
Katholikentag übt Kapitalismuskritik

Mit der Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit ist am Mittwochabend in Saarbrücken der 96. Deutsche Katholikentag eröffnet worden. In einem verlesenen Grußwort rief Papst Benedikt XVI. die katholischen Laien auf, die Welt nach christlichen Maßstäben mitzugestalten.

HB SAARBRÜCKEN. Die „Zivilisation der Liebe“ müsse sich heute vor allem gegen eine „Kultur des Todes“ behaupten, so der Papst. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Veranstalter übte deutliche Kritik an Auswüchsen des Kapitalismus. Rund 8 000 Menschen waren zu der mit Sacro-Pop und Pantomime gestalteten Eröffnungsfeier in die Saarbrücker Innenstadt gekommen.

Der Papst mahnte in seinem Schreiben, das mit freundlichem Schlussapplaus aufgenommen wurde, die katholischen Laien zur „Einheit mit dem Papst und den Bischöfen“. Nur so sei das Zeugnis der Kirche glaubwürdig. Die Katholikentags-Teilnehmer rief er auf, selber ein christliches Beispiel zu geben: „Fasst Mut zum Bekenntnis.“

Rund 40 000 Besucher werden bis zum Sonntag in Saarbrücken erwartet, darunter sind 26 000 Dauerteilnehmer. Das Treffen mit Gästen aus mehr als 50 Ländern steht unter dem Leitwort „Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht“ und soll nach dem Willen der Veranstalter eine neue Debatte über soziale Gerechtigkeit anstoßen.

„Deutschland und ganz Europa erleben eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs“, sagte der Präsident des ZdK, Hans Joachim Meyer, bei der Eröffnung. „Was gestern noch Solidarität und soziale Gerechtigkeit zu garantieren schien, zerrinnt uns heute unter den Händen.“ Mit Blick auf die Globalisierung und ihre Folgen betonte Meyer die Notwendigkeit eines „neuen Entwurfs von Gerechtigkeit“. Die Gestaltung der Gesellschaft könne „nicht dem blinden Wirken des Wettbewerbs“ überlassen werden. Auch der gastgebende Bischof des Bistums Trier, Reinhard Marx, kritisierte einen ungezügelten Markt, in dem nur noch die Kapitalrendite zähle. Die soziale Gerechtigkeit dürfe dem Streben nach wirtschaftlichem Profit nicht geopfert werden.

Nach Auffassung des Papstes sichern erst Gerechtigkeit und Liebe den Bestand und die Entfaltung der Gesellschaft. Als Beispiele für die „Kultur des Todes“ nannte er eine biomedizinische Instrumentalisierung vom Zeitpunkt der Entstehung des Lebens an, eine zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber Abtreibungen und die Verletzung der Würde der Frau und der Kinder. Zudem herrsche „Kaltherzigkeit gegenüber dem schreienden Unrecht der Armut im eigenen Land und in vielen Regionen der Welt“. In diesen Bereichen seien vor allem die Laien aufgefordert, die christliche Botschaft wirksam zu machen.

ZdK-Präsident Meyer bezeichnete Gerechtigkeit vor allem als eine europäische Aufgabe. Saarbrücken sei wegen seiner Nähe zu Frankreich und Luxemburg ein guter Ort für die Vision einer europäischen Gesellschaft. Auch der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) betonte, die national lange unter ihrer Randlage leidende Region habe eine starke Bindung nach Europa entwickelt.

An diesem Donnerstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Saabrücken mit Jugendlichen aus mehreren Ländern über Europa als Friedensprojekt diskutieren. Bundespräsident Horst Köhler wird am Freitag erwartet. Er will er über eine Weltpolitik sprechen, die auch die Interessen der armen Länder im Blick hat. Auf dem Programm stehen neben religiösen Veranstaltungen auch Diskussionen über Familienpolitik, Integration von Zuwanderern, Sozialabbau und Arbeitslosigkeit.

Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung luden die Veranstalter ein zu einem „Abend der Begegnung“ in der Innenstadt mit Infoständen, Musik und kulinarischen Spezialitäten.

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