Papstbesuch
An den christlichen Wurzeln der Türkei

Papst Benedikt XVI. wird am zweiten Tag seiner Türkeireise am heutigen Mittwoch in die „Marienstadt“ Ephesus in der Nähe von Izmir eine Messe feiern. Am ersten Tag konnte der Papst mit bedachten Äußerungen im muslimischen Land punkten. Die türkische Presse äußerte sich positiv.

HB EPHESUS.Nach katholischer Überlieferung lebte und starb in Ephesus vor rund 2000 Jahren Maria, die Mutter des Religionsstifters Jesus von Nazareth. Im Anschluss an die Messe reist der 79 Jahre alte Kirchenführer nach Istanbul weiter, wo er den orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. treffen wird. Die Annäherung zwischen Rom und den Orthodoxen ist eines der Hauptanliegen der viertägigen Papstreise in die Türkei.

An seinem ersten Besuchstag in der Türkei hatte Joseph Ratzinger echte Religionsfreiheit für die dort lebende christliche Minderheit angemahnt. Unter den rund 70 Mill. Muslimen in der Türkei leben lediglich etwa 100 000 Christen. Fast drei Monate nach seinen umstrittenen Äußerungen zum Thema Islam und Gewalt in Regensburg hatte der Papst bei einem Treffen mit dem Chef der türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu, zugleich Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Muslimen betont. Beide Religionen vereine der Glaube an den einen Gott sowie das Streben nach Frieden und Gerechtigkeit in der Welt, sagte er.

Auch Bardakoglu warb bei dem Treffen in Ankara für Dialog und Ausgleich, warnte aber auch vor einer um sich greifenden „Islamphobie“. Diese gegen den Islam gerichtete Haltung bringe zum Ausdruck, „dass der Islam durch seine Geschichte und Quellen zur Gewalt ermuntert und der Islam mit dem Schwert in der Welt verbreitet wurde“. Damit kritisierte Bardakoglu auch die Äußerungen Benedikts auf dessen Bayernreise und das von ihm verwendete Zitat eines byzantinischen Kaisers aus dem 14. Jahrhundert.

Unklarheit herrschte am Dienstag über Äußerungen des Papstes zu einem türkischen EU-Beitritt. Der Vatikan wollte Äußerungen von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nicht bestätigen, wonach Benedikt sich ihm gegenüber für eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU ausgesprochen habe. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, der Heilige Stuhl habe in solchen politischen Fragen keine Kompetenz. Er betrachte die Annäherung der Türkei an Europa aber als positiv. Vor seiner Wahl zum Papst im April 2005 galt Kurienkardinal Joseph Ratzinger als Gegner eines türkischen EU-Beitritts.

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