Papstbesuch in Bayern
Reise in ein schwieriges Land

Der Besuch von Benedikt XVI. in seiner Heimat Bayern ist für den Papst alles andere als eine leichte Reise. Denn Deutschland gilt im Vatikan als ein eher „schwieriges Land“, gezeichnet vom Geist der Moderne und der „Gottesferne“, noch dazu Hochburg des Protestantismus – das „Land Luthers“ eben.

HB ROM. Niemand weiß das besser als der Papst. „Das Grundthema ist, dass wir Gott wieder entdecken müssen“, meinte Benedikt XVI. kürzlich im Fernsehen. Er ist sich sicher: Ein reiner „Heimatbesuch“, ein „gemütliches Zusammensein“ im trauten bayerischen Kreis wird der Besuch vom 9. bis 14. September kaum werden.

Bequem waren die Botschaften des Joseph Ratzingers schließlich noch nie gewesen: Kaum ein anderer Theologe von Weltrang spricht die brennenden Fragen der Kirche und des Glaubens in unserer Zeit so ungeschminkt, so scharfsinnig an wie der Mann aus Marktl am Inn.

Eine Welt, in der die „Gottesfrage ausgeklammert“ ist, eine Welt ohne Glauben und ohne religiöse Dimension - das ist die Schreckensvision, die den Bayern schon seit langem umtreibt. „Das ist das Kernproblem, das in Ratzinger tiefe Furcht auslöst“, meint ein Theologe in Rom. „Und davon wird er auch in Bayern reden“.

Um die Botschaft an den Mann zu bringen, mutet sich der Mann aus Rom in der Tat einiges zu: 17 Termine in fünf Tagen, allein sechs Messen und Gottesdienste, diverse Treffen mit Gläubigen, Ansprachen an der Universität Regensburg und vor Priestern in Freising – ein wahres Mammutprogramm für einen bald 80-Jährigen.

Dabei hat es der neue Papst seit seiner Wahl im April 2005 bisher geradezu erstaunlich verstanden, Aufgaben zu delegieren und sich wenigstens ein wenig zu schonen. Nur bei seinem Heimatbesuch gönnt er sich keine Ruhe. „Auch das zeigt, wie wichtig ihm die Botschaft an das eigene Land ist“, heißt es im Vatikan.

„Glauben ist schwierig geworden“, lautet denn ein eher düsterer Kernsatz im „historischen“ Papst-Interview von ARD, ZDF, Deutscher Welle und Radio Vatikan. Man erlebe heute im Westen „eine neue Welle einer drastischen Aufklärung“, klagt Benedikt, es gebe eine „Kälte gegenüber Gott“. Der Schlüsselsatz des Gesprächs lautet: Christentum sei nicht für „die Mottenkiste der Geschichte“ bestimmt – schon bemerkenswert, dass dies ein Papst vor seinem Deutschlandbesuch eigens betonen muss.

Zeitweise schien es sogar, dass die Pilgerfahrt an die Stätten der Jugend zu einem eher kurzen Ausflug werden könnte. „Doch dazu liegt dem Heiligen Vater die Heimat zu sehr am Herzen“, meinte ein Vatikan-Insider. Gerade hier müsse er seine Botschaft an den Mann bringen - gerade weil Deutschland in Glaubensfragen doch ein „schwieriges Land“ ist.

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