Passagiere kamen überwiegend aus Zypern
Stimmenrekorder des Athener Unglücks-Jets verschwunden

Ein zyprisches Charterflugzeug mit 121 Menschen an Bord ist am Sonntag vor Athen abgestürzt. Dies berichtete das griechische Fernehen (NET). Zuvor war der Funkkontakt des Flugzeugs mit dem Tower in Athen abgebrochen.

dpa ATHEN/NIKOSIA. Dramatische Erkenntnisse in Athen: Zahlreiche Menschen an Bord des Flugzeuges, das nahe der griechischen Hauptstadt abstürzte, waren trotz längeren Geisterflugs bis zum Zeitpunkt des Aufpralls am Leben. Unterdessen wurde klar, dass der Stimmenrekorder des Unglücks-Jets verschwunden ist.

„Ihr Herz schlug und sie atmeten“, sagte ein Gerichtsmediziner nach der Untersuchung von rund 20 der 121 Opfer am Dienstag in Athen. Dies bedeute jedoch nicht, dass sie noch bei Bewusstsein waren. Aufschluss darüber sollen Gewebetests bringen. Der Stimmenrekorder, das wichtigste Gerät zur Ermittlung der Absturzursache, fehlt. Entgegen ersten Meldungen wurde nur das leere Gehäuse gefunden.

Die Maschine war am Sonntag mit Autopilot vermutlich in rund zehn Kilometern Höhe so lange über Athen gekreist, bis der Treibstoff ausging. Warum Piloten und Passagiere auf dem Flug von Larnaka nach Athen das Bewusstsein verloren, war auch 48 Stunden nach dem Unglück weiter unklar. Die Identifizierung der Opfer gestaltet sich schwieriger als erwartet. Bis Dienstagnachmittag waren lediglich 26 der 121 Toten identifiziert. „Offenbar werden wir zahlreiche DNA- Tests machen müssen“, sagte ein Gerichtsmediziner im Fernsehen.

In Athen und Nikosia auf Zypern spielten sich bei Trauerfeiern dramatische Szenen ab. Die Flaggen wehten auf Halbmast. Auf dem verbrannten Hügel der kleinen Gemeinde Grammatikó, wo das Flugzeug zerschellte, wollen Dorfbewohner und Angehörige 121 Bäume pflanzen.

Die Behörden vermuten einen Defekt der Klimaanlage als Unglücksursache. Einen Anschlag schloss die griechische Regierung aus. An Bord der Boeing 737-300 der zyprischen Fluggesellschaft Helios Airways waren meist Griechen und griechische Zyprer.

Drei Absturzopfer - darunter der deutsche Pilot - konnten zunächst nicht geborgen werden. Der 58-Jährige stammt nach Medieninformationen aus Thüringen. Zuletzt lebte er in Berlin, wie die „Thüringer Allgemeine“ (Dienstag) berichtet. Bevor er Pilot bei Helios Airways wurde, habe er Maschinen der DDR-Gesellschaft Interflug und der Lufthansa gesteuert.

Nur der Stimmenrekorder könnte Aufschluss über den Wortwechsel der Piloten mit der Flugsicherung vor dem Unglück geben. Vor allem könnte mit Hilfe der Aufzeichnungen wahrscheinlich geklärt werden, was im Cockpit genau geschehen ist. „Das, was die Rettungskräfte am Montag fanden, war leider nur der Behälter des Stimmenrekorders. Ich bezweifle, dass wir das Gerät noch entdecken“, sagte der Vorsitzende der griechischen Zivilluftfahrt-Kontrollbehörde, Akrivos Tsolakis. Informationen, wonach Passagiere aus dem Unglücksflieger noch kurz vor dem Absturz per Handy Kontakt mit Verwandten aufgenommen hätten, erwiesen sich als falsch.

Der Flugschreiber mit den Daten der Geräte in der Maschine ist dagegen intakt. Er soll in Paris ausgewertet werden. Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder sind normalerweise so robust konstruiert, dass sie auch extreme Belastungen bei Abstürzen überstehen. Nach Einschätzung von Jürgen Heermann, ehemaliger Flugingenieur und Fachbuchautor, müsste sich ermitteln lassen, ob die Innenteile beim Aufprall herausgeschleudert wurden oder möglicherweise nachträglich aus der Schutzhülle ausgebaut wurden.

Nach Angaben eines ehemaligen Helios-Chefingenieurs gab es bereits im Dezember 2004 ein massives Problem mit dem Luftdruck-Ausgleichsystem in der Unglücksmaschine. Die zyprische Justiz ermittelt. Bei einer Razzia stellte die Polizei in den Büros der Fluggesellschaft Beweismaterial zum Zustand der Maschinen sicher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%