Piloten und Astronauten
Den Himmel auf die Erde holen

Georgien-Krieg, Finanzkrise, verheerende Wirbelstürme: Risiken beherrschen die Welt. Das Handelsblatt stellt in einer Serie Menschen vor, die solche Risiken meistern. Wie sich Piloten und Astronauten auf brenzlige Situationen vorbereiten.

DÜSSELDORF. Sie stehen auf dem Besucherdeck des Flughafens Köln-Bonn. Ein Jet setzt zur Landung an. Sie sehen die Silhouette mit dem schmalen Bug, den weiten Tragflächen und den mächtigen Triebwerken. Dann erkennen Sie: Das Ding landet gar nicht, sondern fliegt direkt auf Sie zu. In der Ferne saust, klein wie Spielzeugautos, eine Armada von roten Löschfahrzeugen heran und reiht sich entlang der Landebahn auf. Dann donnert der Jet über Ihren Kopf hinweg. Er fliegt eine weite Runde und schafft beim zweiten Mal eine ganz normale Landung; die roten Spielzeugautos rollen zurück in die Halle.

Für Reinhard Haack ist so ein Manöver Routine. Er übt es mit seinen Flugschülern - auch die Version, bei der während des Durchstartens zusätzlich noch ein Triebwerk ausfällt. Es steht unter Punkt 4.3 seiner Checkliste für die praktische Ausbildung. "Manchmal kommt es vor, dass man einen Landevorgang abbrechen muss, zum Beispiel wenn plötzlich starker Wind von hinten kommt", erklärt er. Auch eine Notlandung wie bei der Quantas-Maschine in Manila Ende Juli, nachdem eine Sauerstoffflasche explodiert war, gehört zum Standardprogramm - Punkt 3.6.6: "Druckabfall/Notabstieg".

Wer Piloten und Astronauten fragt, wie sie sich auf gefährliche Situationen vorbereiten, bekommt die simple Antwort: üben, üben, üben. Das hat wenig mit Tiefenpsychologie und viel mit antrainiertem, reflexhaften Verhalten zu tun: Wenn es brenzlig wird, muss der Mensch automatisch das Richtige tun, weil ihm die Situation vertraut erscheint. Nur das garantiert, dass täglich Millionen Fluggäste sicher ihr Ziel erreichen, und dass millionenteure Missionen im All ein Erfolg werden.

Haack ist jahrzehntelang um die Welt geflogen, zuerst mit Propellermaschinen, dann mit Jets. Seit er vor acht Jahren mit 60 in Pension ging, arbeitet er freiberuflich, meist im Auftrag des Ausbildungsbetriebs TFC in Essen. Er ist Lehrberechtigter für verschiedene Airbus-Varianten. Denn jeder Pilot, der einen bestimmten Jet fliegen will, bekommt vorher eine Ausbildung für diesen Typ und jedes Jahr eine Auffrischung. Diese Schulung findet auf dem Boden statt - im Simulator. Mit einem richtigen Jet zu fliegen wäre zu teuer und bei manchen Manövern auch viel zu gefährlich. Seit rund 15 Jahren, seit es nahezu perfekte Simulatoren gibt, dürfen Fluggesellschaften, die entsprechende Erfahrung nachweisen, ihre Piloten ins "Zero-Flight-Time-Training" schicken: Geübt wird nur am Boden. Beim ersten realen Einsatz fliegt der Pilot freilich unter Aufsicht eines erfahrenen Flugkapitäns. Nebenbei: Auch im Simulator kostet die "Flugstunde" rund 600 Euro.

Ein einfacher Simulator zeigt den Piloten nur die Instrumente. Sie sitzen davor und starren auf den künstlichen Horizont, der je nach Lenkbewegung nach rechts oder links abrutscht. Dann täuscht der Simulator Turbulenzen vor, der künstliche Horizont fängt an zu tanzen, der Höhenmesser zählt rückwärts - und im Ernstfall wäre schon alles zu spät. Bei den millionenteuren High-Tech-Monstern, die zur Schulung von Jet-Piloten genutzt werden, geht es anders zur Sache - da gibt es ganz großes Kino, das den Himmel und die Landebahn zeigt. Dort wird die Kabine, die auf beweglichen Stelzen steht, geschüttelt und gedreht, es knallt bei Bedarf heftig, damit der Flugschüler Gefahrensituationen möglichst real erlebt. "Nur das Fenster aufmachen und nachschauen, ob das Triebwerk brennt, das können Sie nicht", sagt Haack.

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