Pinotage
Kulturgut vom Kap

Die Pinotage-Traube wächst nur in Südafrika. Ihren Saft gibt es derzeit für 1,79 Euro in den Weinregalen deutscher Discountmärkte. Was nichts kostet, kann auch nichts taugen, sagen manche Wein-Genießer und üben sich in Verachtung. Doch das hat der Pinotage nicht verdient. Sein Geschmack ist besser als sein Ruf. Viel besser.

DÜSSELDORF. Nun hat sich der geile Geiz auch des Pinotage bemächtigt. Der Wein aus Südafrika steht derzeit für 1,79 Euro in Discountmärkten. Werden von dem Preis Mehrwertsteuer, Transport, Zoll, Kosten für Abfüllung, Flasche plus Ausstattung und endlich die Händlerspanne abgezogen, bleibt für den Wein weniger als null übrig.

Was nichts kostet, kann auch nichts taugen, sagen manche Genießer und üben sich in Verachtung. Doch das hat der Pinotage nicht verdient. Diese Rebe gehört zur Kultur Südafrikas wie die schnörkelige Architektur der weißen Siedler, wie die rauen Gesänge der schwarzen Ureinwohner. Sie wächst nur im Kapland, sonst nirgendwo.

Der milde Geschmack nach Pflaumen und Rauch findet sich in keinem anderen Wein. Diese wundervolle Traube sollte – bitte schön – mit etwas mehr Respekt behandelt werden.

Die Entstehung der Kreuzung Pinotage im Jahre 1925 war von einigen Zufällen begleitet. Damals lehrte Abraham Izak Perold als Rebforscher an der Weinbauschule von Stellenbosch. Dem Züchter schwebte vor, den Wohlgeschmack des Pinot noir mit der Robustheit des südfranzösischen Cinsault, auch Hermitage genannt, zu vermählen.

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Viele Kreuzungsversuche waren nötig, bis das Ergebnis schließlich zufrieden stellte. So erinnerte sich wenigstens ein Mitarbeiter. Der Professor war danach nämlich mit anderen Dingen beschäftigt und hatte keinerlei Notizen hinterlassen.

Als Perold bald darauf zum ersten Direktor der neu gegründeten nationalen Genossenschaft KWV ernannt wurde, verwilderte sein Versuchsgarten. Der Nachfolger befahl, alles auszuhacken. Perolds alter Mitarbeiter rettete die Pinot-Hermitage-Kreuzung im letzten Moment. Über den Namen der neuen Sorte brauchte er nicht lange nachzudenken: Pinotage eben.

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