„Pippi Langstrumpf“-Darstellerin
„Musste dafür kämpfen, Inger zu sein“

Über Nacht wird Inger Nilsson als Pippi Langstrumpf zu Schwedens erstem Kinderstar. Doch danach bleiben die Rollen aus. Im Interview erzählt die Schauspielerin von ihrem Kampf, nicht nur Pippi zu sein.

StockholmSeit sie Pippi Langstrumpf spielte, ist die Schauspielerin Inger Nilsson weltberühmt. Doch nach der Rolle ihres Lebens hatte die Schwedin Probleme, andere Angebote zu bekommen - zu sehr war sie auf die Göre mit den roten Zöpfen festgelegt. Trotzdem würde sie wieder die Pippi spielen, erzählt die 56-Jährige im Interview. Außerdem verrät Nilsson, wie es den Darstellern von Thomas und Annika heute geht und wieso sie auch nach vielen Jahrzehnten noch ständig an Pippi erinnert wird.

Frau Nilsson, fragen Sie sich manchmal, wie Ihr Leben ohne Pippi verlaufen wäre?
Ich weiß wirklich nicht, wie mein Leben ohne diese Figur ausgesehen hätte. Ich denke, ich wäre trotzdem Schauspielerin geworden. Das ist etwas, das man einfach in sich hat.

Wie hat die Rolle Sie verändert?
Sie hat mich verändert, weil ich immer dafür kämpfen musste, Inger zu sein. Das ist der große Kampf meines Lebens. Jedem zu erklären, dass ich vor allem Inger bin. (...) Das war schwierig und ist es manchmal noch. Ich werde immer damit zu kämpfen haben: Warum bin ich hier? Wollten sie mich wegen mir und meines Talents in dem Film haben, oder ist es wegen Pippi und weil ich berühmt bin?

Werden Sie noch von Menschen auf der Straße erkannt?
Ja. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie mich die ganze Zeit gesehen haben. Erst haben sie die Filme als Kinder gesehen und dann sehen ihre Kinder die Filme und dann die Enkelkinder. Ich bin immer in dem Zuhause von jemanden.

Ist das nicht ein schöner Gedanke?
Das ist schön, bis es dazu führt, dass man nichts anderes mehr tun kann. Manche Leute sagen: Du hast doch schon genug getan. Dann denke ich: Danke, aber ich muss trotzdem noch von etwas leben, ich muss immer noch Miete zahlen und Essen auf dem Tisch haben. Ich kann nicht mehr davon leben, was ich als Kind gemacht habe.

Wie geht es den Darstellern von Thomas und Annika Pär Sundberg und Maria Persson – heute? Haben sie ähnliche Probleme?
Sie haben eine andere Art von Leben gewählt. Sie sind keine Schauspieler, sondern normale Leute (lacht). Und sie leben nicht in Schweden. Beide wohnen in Spanien. Für sie war das nicht so heftig, weil sie eine andere Ausbildung und Karriere haben.

Haben Sie noch Kontakt zu ihnen?
Ich treffe sie manchmal. Pär sehe ich etwa einmal im Jahr, weil sein Vater in Stockholm lebt. Zuletzt habe ich ihn im vergangenen Herbst getroffen. Er ruft dann an und sagt: Ich komme. Und dann treffen wir uns. Es ist schön – so, als ob man einen alten Freund aus seiner Kindheit trifft.

Denken Sie heute noch jeden Tag an Pippi?
Nein, ich glaube nicht, aber die Leute erinnern mich dauernd daran. Ich bekomme immer Briefe von Menschen, die ein Autogramm wollen, besonders aus Deutschland.

Mit allen negativen Konsequenzen, die die Rolle für sie hatte würden Sie trotzdem wieder die Pippi spielen?
Ja, auf jeden Fall.

Inger Nilsson (56) ist eine schwedische Schauspielerin. Von 1969 bis 1970 spielte sie die Rolle der Pippi Langstrumpf in Film und Fernsehserie. Später arbeitete sie als Sekretärin und Schauspielerin am Theater. In der ZDF-Krimiserie „Der Kommissar und das Meer“ ist Nilsson seit 2007 als Gerichtsmedizinerin zu sehen. Die Stockholmerin machte auch bei dem schwedischen Ableger des Dschungelcamps mit, wo sie eine Ratte und einen Skorpion essen musste.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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