Piraten vor der Küste Somalias
Von Piraten entführtes deutsches Frachtschiff wieder frei

Das Ende Mai von Piraten entführte deutsche Frachtschiff „MV Lehman Timber“ ist am Dienstagabend wieder freigegeben worden. Das bestätigte die Reederei Karl Lehmann am Mittwoch. Laut somalischer Behörden und nach Angaben eines der Piraten soll dabei Lösegeld geflossen sein.

HB BOSASSO/LÜBECK. „Die Erleichterung ist groß, dass dieser Alptraum nach 41 Tagen endlich vorbei ist“, sagte Inhaber Holger Lehmann. Somalische Behörden berichteten, dass die Reederei für die Freilassung 750 000 Dollar Lösegeld bezahlt habe. Lehmann wollte sich dazu nicht äußern.

Den 15 Besatzungsmitgliedern, die aus Russland, Panama, der Ukraine und Birma stammen, gehe es einer ersten medizinischen Untersuchung zufolge gut, sagte Lehmann. „Sie werden jetzt den nächsten Hafen ansteuern. Dort werden die Besatzung ausgetauscht und eventuelle Schäden am Schiff behoben“.

„Ein englischsprechender Kapitän fuhr zu unserem Schiff und übergab uns 750 000 Dollar“, sagte einer der Piraten. „Wir haben das Lösegeld genommen und sind von Bord gegangen.“ Anschließend seien die Piraten mit Autos davongefahren, die in der Stadt Eyl bereitstanden, berichtete der örtliche Bürgermeister. Der Fischerei-Minister der somalischen Region Puntland kritisierte die angebliche Zahlung von Lösegeld. Dadurch würden die Piraten ermuntert, weitere Schiffe zu kapern. In der Region waren im vergangenen Monat auch vier Deutsche verschleppt und eine französische Luxusyacht entführt worden.

Die Piraten hatten die „Lehman Timber“ am 28. Mai im Golf von Aden in ihre Gewalt gebracht. In der Folge war in Deutschland eine Debatte über ein Vorgehen der deutschen Marine gegen Piraten ausgebrochen. Verteidigungsminister Franz Josef Jung müsse seine Blockade bei dem Thema aufgeben, forderte der FDP-Politiker Rainer Stinner. „Die Bundesregierung könnte handeln, wenn sie wollte“, sagte er. „Aber der politische Wille fehlt. Das ist ein Skandal“. Als Exportweltmeister sei gerade Deutschland auf sichere Seewege angewiesen. Auch die SPD hatte Jung Untätigkeit vorgeworfen. Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey fordert eine Verfassungsänderung, damit die Bundeswehr gegen Piraterie vorgehen kann.

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