Pius-Bruder Williamson
London erlaubt Holocaust-Leugner Einreise

Der Holocaust-Leugner und Bischof der erzkonservativen Pius-Bruderschaft, Richard Williamson, hat seine bisherige Wahlheimat Argentinien am Dienstag verlassen müssen. Er darf nach Angaben der britischen Regierung ungehindert in seine Heimat einreisen.

HB LONDON/ BUENOS AIRES/MENZINGEN. „Er ist ein britischer Bürger und hat sich hier nicht strafbar gemacht“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in London am Dienstagabend auf Anfrage der dpa. Auch wenn Williamson streitbare Ansichten habe, habe er nach britischem Recht keine Straftat begangen. „Wir können ihn deshalb nicht aufhalten, zurückzukommen.“

Der Präsident des britischen Holocaust Educational Trust, Lord Janner, sagte: „Es wäre sehr viel besser, wenn er nicht hier wäre. Aber da er britischer Bürger ist, kann das nicht verhindert werden.“ Die Pius-Bruderschaft in London wollte sich am Abend nicht zu Williamson äußern.

Zuvor war der Britte von der Hauptstadt Buenos Aires aus nach mit einer Linienmaschine Richtung London abgeflogen. Mit der Ausreise kam Williamson einer ultimativen Aufforderung der argentinischen Regierung nach, das Land binnen zehn Arbeitstagen zu verlassen. Zur Begründung wurde auf „Unregelmäßigkeiten“ in seinem Visumsantrag und vor allem auf die Leugnung des Holocausts hingewiesen.

Die Rücknahme der Exkommunizierung Williamsons und drei weiterer Pius-Bischöfe durch Papst Benedikt XVI. Ende Januar hatte Empörung ausgelöst. Fast zeitgleich war ein TV-Interview mit Williamson veröffentlicht worden. Darin behauptete der Bischof, dass in Nazi- Lagern nicht sechs Mio. Juden ermordet worden seien, sondern maximal 200 000 bis 300 000, keiner davon allerdings in Gaskammern. Einer Aufforderung des Papstes, seine Aussagen zu widerrufen, widersetzte sich Williamson. Er müsse erst die „Tatsachen“ neu untersuchen, sagte er in einem Interview. Dabei ist der Holocaust historisch völlig unstrittig.

Nach einer Zwischenlandung im brasilianischen Sao Paulo sollte der Jumbo mit Williamson planmäßig an diesem Mittwoch um 7.15 (8.15 MEZ) in London-Heathrow landen. In Großbritannien ist die Leugnung der Shoa nicht strafbar.

Auf dem Flughafen in Buenso Aires gab der seit Wochen untergetauchte 68-Jährige keine Erklärungen ab. Dafür drohte er einem Journalisten mit geballter Faust, und ein Pius-Priester sowie ein weiterer Mann behinderten den TN-Journalisten Norberto Dupesso bei der Arbeit und rissen ihm fast die Jacke vom Körper.

Eine offizielle Bestätigung für die Ausreise Williamsons gab es zunächst nicht. Die zuständige Ausländerbehörde in Buenos Aires verweigerte eine Bestätigung, ob Williamson tatsächlich ausgereist sei. Die Grenzbehörden auf dem Flughafen selbst sagten der Deutschen Presse- Agentur dpa, Angaben zur Ausreise über Personen dürften nur auf richterliche Anordnung herausgegeben werden. Auch British Airways verweigerte jede Angabe zur Passagierliste.

Die Zentrale der Pius-Bruderschaft im Schweizer Menzingen teilte auf dpa-Nachfrage mit, dass man nicht sagen könne, wo Williamson am Ende hinreisen werde. Die Leitung der Priesterbruderschaft habe ihm dies offengelassen. Nur Stunden vor der Ausreise von Williamson hatten Mitglieder der Pius-Bruderschaft in Buenos Aires noch versucht, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Der Bischof sei schon Ende vergangener Woche ausgereist, sagte ein Sprecher der Bruderschaft der Deutschen Presse-Agentur dpa auf Anfrage. Die Nachrichtenagentur DyN zitierte einen anderen Pius-Sprecher, „vermutlich“ sei Williamson nach Europa gereist. Die Behörden bestritten dies auf Anfrage umgehend.

Die Pius-Bruderschaft hat sich zwar von Williamsons Äußerungen zur Judenvernichtung während der Nazizeit distanziert. Allerdings werden auch der Bruderschaft antisemitische und antijudaistische Tendenzen vorgehalten.

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