Pjöngjang rasselt schon wieder mit den Säbeln
Nordkorea lässt Hilfe nur zögernd ins Land

Nach dem Bahnunglück von Ryongchon hat die nordkoreanische Regierung damit begonnen, ihre Bevölkerung darüber zu informieren. Das Fernsehen berichtete, Hilfsorganisationen und Diplomaten seien an den Unfallort in Ryongchon gereist, Hilfsgüter würden geliefert. Opferzahlen wurden aber nicht genannt.

bas TOKIO. Jüngsten Angaben von Hilfsorganisationen zufolge kamen bei der gewaltigen Explosion von mit Chemikalien beladenen Waggons mindestens 154 Menschen ums Leben, darunter mehr als 70 Schulkinder. Rund 1 300 Menschen wurden verletzt, mehrere hundert so schwer, dass die Zahl der Toten auch angesichts der schlecht ausgestatteten Krankenhäuser im Land noch steigen könnte. Bis zu 10 000 Menschen wurden ihrer Unterkunft beraubt. Im Umkreis von 500 Metern wurden durch die Wucht der Explosion Gebäude zerstört. Als Ursache nennen Nordkoreas Medien menschliches Versagen. Beim Zusammenstoß zweier Züge sei eine Oberleitung gekippt und hätte einen Kurzschluss ausgelöst.

Die Berichte Nordkoreas im eigenen Land sind eine Seltenheit. Gewöhnlich vermeidet es die nordkoreanische Regierung, über Unfälle zu berichten, obwohl diese wegen der maroden Infrastruktur immer wieder vorkommen. Äußerst selten sind auch die Bitten nach internationaler Hilfe, wie dieses Mal durch das nordkoreanische Rote Kreuz. Dennoch sind seit Jahren Hilfsorganisationen im Land, die die Hungersnot zu bekämpfen suchen. China schickte am Sonntag den ersten Hilfskonvoi los. Auch Südkorea, Russland und die EU sicherten dem Land Hilfe zu. Eine neue Ära der Offenheit oder direkte Auswirkungen auf die 2002 gestarteten Wirtschaftsreformen sind jedoch zunächst nicht zu erwarten, auch wenn erste Beobachter von Parallelen zum Tschernobyl-Unglück in Russland sprechen. Weiterhin ist die Informationspolitik Nordkoreas sehr beschränkt. Hilfsorganisationen beklagen, dass ihnen der Zugang zu Krankenhäusern verweigert wurde.

Nordkorea rasselte zudem am Sonntag verbal erneut mit den Säbeln, um den Eindruck einer Öffnung nicht entstehen zu lassen. Die Volksarmee des Landes beschuldigte die USA in einer Erklärung über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA, ihre Truppen von der entmilitarisierten Zone abzuziehen. Dies deute darauf, „dass die Vorbereitungen der USA für den Erstschlag in der letzten Phase sind.“

Die 30 000 Einwohner zählende Stadt Ryongchon liegt für den Transport strategisch wichtig auf dem Weg zur Grenzstadt Shinuiji mit China, wo Nordkorea eine Sonderwirtschaftszone plant. Unter anderem wird in Ryongchon Öl verladen. Nordkorea ist für den Transport seiner Güter abhängig vom Schienensystem, das dringend reparaturbedürftig ist. Nordkorea-Experten sprechen von einer Zeitbombe, wenn durch einen Zusammenbruch des Schienensystems der Transport in die Regionen nicht mehr möglich sein wird.

Das Unglück ereignete sich wenige Stunden, nachdem Staatschef Kim Jong-Il über diese Route von seinem China-Besuch zurückkehrte. Dort hatte ihm Chinas Führung ins Gewissen geschrieben, sich bei dem Nuklearstreit zu Kompromissen bereit zu erklären und die Wirtschaftsreformen voranzutreiben. Ob und wie sich konkrete Folgen zeigen werden, bleibt abzuwarten.

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