Plan enthält zwei Kernelemente
Allianz einigt sich auf Sozialplan

Der Münchener Versicherer nimmt die wichtigste Hürde für den Umbau des Deutschlandgeschäfts.

MÜNCHEN. Die Allianz hat sich mit den Arbeitnehmervertretern nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen grundsätzlich auf einen Sozialplan geeinigt. Dieser sieht zwei Kernelemente vor: Abfindungsregelungen für Mitarbeiter, die freiwillig ausscheiden, und den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis maximal 2010. Damit macht der Versicherer den Weg frei für die radikale Umstrukturierung auf dem Heimatmarkt. Hier sollen die bisher getrennten Allianz-Gesellschaften künftig unter dem Dach einer Deutschlandholding agieren und die Standorte neu zugeschnitten werden. Bislang wurde spekuliert, dass sich die Allianz von rund 8 000 ihrer 40 000 Mitarbeiter in Deutschland trennen will. Die Allianz hat dies aber dementiert. Sie will im Juni bekannt geben, auf wie viele Stellen und auf welche Standorte sie verzichten wird.

Für die Sozialpläne gab es nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen eine Einigung zwischen Gesamtbetriebsrat und Konzern, über die nun die einzelnen Betriebsräten beraten. Damit bestätigten sie einen Bericht des Magazins „Capital“. Beide Seiten hatten seit Monaten verhandelt. Die Allianz wollte unter Verweis auf die laufenden Verhandlungen gestern keine Stellungnahme abgeben.

Das Vertragswerk bestehe aus insgesamt etwa 40 verschiedenen Vereinbarungen, und darüber werde intensiv diskutiert, hieß es in Verhandlungskreisen. „Da zeichnet sich eine Einigung ab“, sagte ein Gewerkschafter. Somit stehe der Rahmen.

Die Allianz verzichtet bei Zustandekommen des Sozialplans bis Ende 2007 auf betriebsbedingte Kündigungen und verlängert diese Frist bis 2010, wenn bestimmte, für jedes Jahr definierte Kostensenkungsziele erreicht werden. Gegen dieses Prozedere gibt es unter den Betriebsräten aber noch Widerstand, weil sie bei einer Verfehlung der Ziele einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen befürchten. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte wiederholt für eine längerfristige Beschäftigungsgarantie des größten europäischen Versicherers plädiert. Solche gibt es etwa bei der Axa-Deutschland. Bisher hat Allianz-Chef Michael Diekmann aber nur bis Ende 2006 Entlassungen ausgeschlossen.

Diekmann möchte den Aktionären auf der Hauptversammlung am 3. Mai in München gern einen Abschluss präsentierten. Dass die Gesamtbetriebsräte der Tochtergesellschaften Leben, Kranken, Sach und Vertrieb ihm einen Strich durch die Rechnung machen, gilt in Konzernkreisen als unwahrscheinlich.

Die Allianz will ihren Mitarbeitern den Angaben zufolge attraktive Abfindungen bei einem freiwilligen Ausscheiden anbieten; diese sollen gestaffelt nach Alter zwischen 0,9 und 1,1 Bruttogehältern je Jahr der Betriebszugehörigkeit betragen. Konzernkreise bestritten allerdings, dass Mitarbeiter bei einem kurzfristigen Ausscheiden bis zu 250 000 Euro erhalten könnten. Beim Stellenabbau setzt die Allianz zudem auf Vorruhestand und Altersteilzeit. Eine Jobgarantie erhalten sollen Mitarbeiter, die älter als 50 Jahre sind und seit mehr als 25 Jahren für die Allianz tätig sind.

Ärger gibt es dagegen von Aktionären wegen des Umbaus der Allianz auf europäischer Ebene. Am 8. Juni werden elf Klagen gegen die Beschlüsse der außerordentlichen Hauptversammlung des Allfinanzkonzerns von Anfang Februar vor dem Landgericht München I gemeinsam mündlich verhandelt. Das sagte ein Sprecher des Gerichts gestern auf Anfrage von Dow Jones. Die Aktionäre sind mit den Hauptversammlungsbeschlüssen der Allianz AG zur Verschmelzung mit der italienischen Tochter Riunione Adriatica di Sicurta SpA (Ras) unzufrieden.

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