Planet strahlt am Himmel
Mars nah wie seit 60 000 Jahren nicht

„Mit bloßem Auge ist Mars als hell leuchtender orangeroter Fleck zu sehen“, erläutert Wolfgang Steinicke von der Vereinigung der Sternenfreunde (VdS). In diesem Jahr trennen uns am 27. August „nur“ noch 55,76 Millionen Kilometer vom Roten Planeten - der Mars ist uns so nah wie seit 60 000 Jahren nicht mehr.

HB/dpa HAMBURG. Schon in einem kleinen Fernrohr werden Details wie die derzeit abschmelzende Südpolkappe, helle und dunkle Regionen und mögliche Staubstürme auf dem Roten Planeten sichtbar.

Gegen 23.00 Uhr steht Mars auch für ungeübte Himmelsbeobachter gut sichtbar tief im Südosten im Sternbild Wassermann. Bis zum Morgen wandert der Rote Planet dann über den Südhimmel nach Westen. Auf ihrem Weg um die Sonne überholt die Erde ihren äußeren Nachbarplaneten Ende August auf der Innenbahn. Die Astronomen sprechen dabei von einer Mars-Opposition, weil sich Sonne und Mars am irdischen Himmel genau gegenüberstehen. Mars-Oppositionen gibt es etwa alle zwei Jahre. Da die Bahnen beider Planeten jedoch keine perfekten Kreise sind, sondern leicht eiförmig, hängt die Oppositionsentfernung davon ab, wo das Überholmanöver genau stattfindet.

In diesem Jahr trennen uns am 27. August „nur“ noch 55,76 Millionen Kilometer vom Roten Planeten, das entspricht etwa einem Drittel der Entfernung zur Sonne. Mars ist wegen des Neumonds dann sogar das hellste Objekt am Nachthimmel. So nahe kamen sich Erde und Mars zuletzt im Jahre 57 618 vor Christus. Noch dichter als in diesem Jahr nähern sich die beiden Planeten am 28. August 2287 an: Dann schrumpft die Entfernung auf 55,69 Millionen Kilometer.

Europäischer "Mars Express" im All

Die günstige Konstellation dieses Jahres haben die Europäer genutzt, um ihre erste Marssonde zum Roten Planeten zu schicken. Der am 2. Juni gestartete „Mars Express“ soll Weihnachten sein Ziel erreichen und unter anderem eine Landefähre auf dem Roten Planeten absetzen. Auch die US-Raumfahrtbehörde NASA hat zwei Sonden auf die Reise geschickt, die zwei Mars-Rover absetzen sollen. Darüber hinaus wird auch die erste japanische Marssonde, die wegen technischer Probleme bereits seit fünf Jahren unterwegs ist, Anfang 2004 endlich ihr Ziel erreichen. Die US-amerikanischen und die europäische Landefähre sollen unter anderem an der noch immer offenen Frage forschen, ob es auf dem Mars einst Leben gegeben hat oder gibt.

Die Idee von Leben auf unserem Nachbarplaneten hat die menschliche Fantasie seit langem beflügelt. Der britische Königliche Astronom Sir William Herschel (1738-1822) ging davon aus, dass der Mars selbstverständlich wie alle anderen Planeten unseres Sonnensystems von intelligenten Lebewesen bewohnt ist. Die vom Italiener Giovanni Schiaparelli 1877 entdeckten „canali“ beflügelten Fantasien von Marskanälen als Bauwerke einer Zivilisation, bis sie von besseren Instrumenten als optische Täuschungen entlarvt wurden.

Begegnungen der dritten Art

1938 versetzte Orson Welles mit einer realistischen Hörspielfassung von H.G. Wells' Roman „Krieg der Welten“ tausende von Amerikanern in Panik, die an einen tatsächlichen Angriff der Außerirdischen glaubten. Die ersten erfolgreichen Marssonden räumten in den 70er Jahren dann endgültig auf mit dem Mythos der kleinen grünen Männchen.

Vermeintliche Begegnungen der dritten Art beschert der ungewöhnlich helle Mars derzeit vielen zufälligen Beobachtern, wie Werner Walter berichtet, der im „Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene“ (CENAP) eine bundesweite UFO- Meldestelle betreibt. „Tatsächlich habe ich schon die abenteuerlichsten Meldungen bekommen.“

So habe ein Rentner-Ehepaar den Mars zwei Stunden lang mit dem Auto als ein „nur 500 Meter entferntes“ UFO verfolgt, und ein anderer Beobachter berichtete aufgeregt, wie der Mond stundenlang „von einem Ding verfolgt“ worden sei, als sich am 13. August Mars und der Erdtrabant am Himmel begegneten. Solche Anrufe ist Walter inzwischen gewohnt: „Der Mars ist wegen seiner feurigen Färbung ein kosmischer Hingucker, der bei uninformierten Menschen schnell falsche Ideen wie von einem UFO-Besuch aufkommen lassen kann.“

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