Pokémon-Hype in Düsseldorf
Nächster Halt: Pokéstop

Düsseldorf hat sich zu einem Hotspot für Pokémon-Jäger entwickelt. Die Stadt kommt den Gästen entgegen, auch aus touristischem Kalkül. Jetzt fuhr sogar eine Sonderbahn durch die Stadt. Mit an Bord: das Handelsblatt.

DüsseldorfFlink huschen die Finger von Jennifer Kosche über ihr Handydisplay. Die 26-Jährige steht im letzten Abteil einer Straßenbahn, die gerade die Jacobistraße entlang ruckelt. Auf dem Display lockt Jennifer mit einer Himbeere ein Pokémon an, dann schmeißt sie einen rot-weißen Ball nach dem beliebten Monster. Der Ball schnappt zu – und Jennifer ist ein Enton reicher.

Seitdem das Handy-Spiel Pokémon Go zum Sommerhype aufgestiegen ist, gehören solche Szenen zum Alltag. Alle wischen mit ihren Fingern über die Smartphones. Alle sind auf Pokémon-Jagd.

Nachdem Gaststätten und Händler digitale Köder auslegen, um Pokémon und damit Kunden zu locken, zündet nun die nächste Vermarktungsstufe des Hypes: Eine Pokémon-Safari quer durch Düsseldorf, organisiert von der Rheinbahn. Drei Stunden Fahrtzeit sind angekündigt, eine möglichst hohe Fangquote versprochen. Für die Rheinbahn ein guter Werbegag. Die Strecke von knapp 30 Kilometern nimmt die Bahn im Schneckentempo, vom Hauptbahnhof am Polizeipräsidium vorbei und später wieder zurück zum  Graf-Adolf-Platz. Nur, wenn die Bahn langsam fährt, können die Spieler ihre Pokémons ausbrüten und neue Monster fangen.  

Jennifer gefällt die Idee. Sie trägt einen schwarzen Pulli mit aufgedruckten Pikachus, eine Pikachu-Hülle rahmt ihr Handy ein, wenn der Bildschirmschoner startet, ploppt ein Pikachu auf. Als die 26-Jährige auf Facebook von der Pokémon-Tour las, zückte sie ihre Kreditkarte und zahlte acht Euro an die Rheinbahn. Nur zweieinhalb Stunden nach Verkaufsstart waren alle Tickets ausverkauft. Heute hat sich Jennifer extra früher frei genommen, um pünktlich ab vier Uhr dabei zu sein. Ihr Ziel: „Ein Level muss mindestens drin sein.“

Bevor die Jagd losgeht, werden die Pokémon-Spieler von Kamerateams belagert. Manuel Ullrich regt das auf. „Das macht total die Stimmung kaputt“, sagt er. Der 26-Jährige ist zusammen mit Jennifer und einer weiteren Freundin zur Pokémon-Tour gekommen. Er hat sich auf einen Austausch mit anderen Spielern gefreut. Jetzt lehnt er neben Jennifer, und vor ihm reden fast alle Pokémon-Fans mit Reportern. „Ich habe auch Angst, dass wir alle wieder als Zombies dargestellt werden, die bloß da hocken und auf ihre Displays starren“, sagt Manuel. „Eigentlich könnten wir unser Geld von der Rheinbahn zurückverlangen – wir sind schließlich gute Statisten für diese Show.“

Nicht alle sehen das so streng. Nur ein paar Meter weiter sitzen Andreas Fiebig und Adam Korski. Beide tragen dunklen Anzug, dezentes Hemd, Lederschuhe. Die Junior-Banker ignorieren die herumwuselnden Journalisten und konzentrieren sich auf die Pokémon-Jagd. Nach einer Stunde fällt die Bilanz durchwachsen aus: Viele Pokéstops, 20 Fänge, aber keine neuen Pokémons erwischt. Wie die meisten Fans in der Bahn, spielt Andreas seitdem es Pokémon Go in Deutschland gibt. Mittlerweile ist er im 17. Level, besitzt 71 Pokémon. Meistens spielt er in der Mittagspause, sein Büro liegt nicht weit entfernt von der Girardet-Brücke auf der Düsseldorfer Kö. Dort springen die meisten Pokémon herum.

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„Krass, ich hab ein Lapras am Radar“

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