Polen
Deutscher unter den Toten von Kattowitz

Beim Einsturz einer Messehalle in der polnischen Stadt Kattowitz sind nach jüngsten Angaben 66 Menschen ums Leben gekommen, darunter mindestens ein Deutscher. Die Zahl der Verletzten geben die Behörden mit 141 an. Die Chance, noch Überlebende zu finden, ist denkbar gering: Seit Stunden wurden nur noch Tote geborgen.

HB KATTOWITZ. Das Dach der größten Halle des Kattowitzer Messegeländes war am Samstag vermutlich unter der starken Schneelast zusammengebrochen. Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 17.30 Uhr fand eine Taubenausstellung statt. In der Halle sollen sich nach unterschiedlichen Angaben zwischen 500 und 1000 Menschen aufgehalten haben

Zu den Deutschen unter den Opfern hieß es am frühen Nachmittag von Seiten des Auswärtigen Amts, bisher könne man einen Toten und vier Verletzte bestätigen. Der deutsche Generalkonsul sei vor Ort und bemühe sich zusammen mit den örtlichen Behörden um Aufklärung. Bei dem toten Deutschen in Kattowitz handelt es sich vermutlich um einen bayerischen Taubenzüchter. Ein Bekannter des Züchters sagte, der Mann sei unter den Trümmern eingeklemmt gewesen und schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort sei er seinen Verletzungen erlegen.

Unter den Toten und Verletzten sind nach Angaben eines Behördensprechers insgesamt 13 Ausländer. Es handele sich neben dem Deutschen um Tschechen, Belgier, einen Slowaken und einen Niederländer, sagte Krzysztof Mejer, Sprecher der oberschlesischen Regionalverwaltung.

Trotz des fieberhaften Einsatzes hunderter Helfer sieht der Krisenstab in Kattowitz kaum noch Chancen, Opfer lebend zu finden. „Wir gehen bis zuletzt so vor, als ob wir Lebende bergen, aber die Wahrscheinlichkeit liegt bei Null“, sagte Skulich am Sonntag vor Journalisten. „Seit zehn Uhr abends haben wir keine lebenden Opfer mehr gefunden“, sagte er. Die Einsatzkräfte hätten alle ihnen zur Verfügung stehenden technischen Mittel ausgeschöpft, nun müssten Fachleute mit Spezialgerät die Trümmer räumen. Das könne bis zu einem Monat dauern.

Zahlreiche Opfer seien noch nicht identifiziert. „Die Zahl der Opfer wird noch steigen“, fügte Skulich hinzu. „Die ganze Zeit gibt es neue Berichte über Tote, und wir konnten noch nicht an alle Orte vordringen, an denen noch Menschen sind.“ Vor allem in der Hallenmitte, wo das Dach am Samstag um 17.15 direkt auf den Boden der Messehalle stürzte, dürfte so gut wie niemand überlebt haben.

Spürhunde suchten nach Überlebenden, konnten aber niemanden finden. Bei Temperaturen von minus 15 Grad wurden die Rettungsarbeiten zum Wettlauf gegen die Zeit. Die Retter konnten in den ersten Stunden kein schweres Gerät einsetzen, da dies die Überlebenschancen der unter den Stahlbalken in der Falle sitzenden Menschen gefährden könnte. Auch Heißluft konnte nicht zu den Eingeschlossenen geblasen werden, da die Rettungskräfte befürchteten, dies könne zu weiteren Einstürzen führen.

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