Politiker verärgert über unethische Geschäfte
Alcopops aus der Pulvertüte

Wie ein Unternehmer mit Alcopops zum Aufgießen die neue Sondersteuer für alkoholische Mixgetränke umgeht.

Eine kleine Firma aus dem Siegerland will dem Markt für Alcopops wieder auf die Sprünge helfen. Seit der Einführung einer Sondersteuer sind die bunten Getränke fast einen Euro teurer und damit für viele Kunden nicht mehr interessant. Subyou, so heißt jenes Unternehmen, hat einen Ausweg aus der vermeintlichen Misere gefunden. Es verkauft die Alcopops als eine Art Brausepulver in Tütchen. Kunden müssen es nur noch mit Wasser verdünnen. Fertig. Da das Pulver nicht als Getränk, sondern als Lebensmittel gilt, entfällt die Steuer. „Wir haben acht Jahre getüftelt, jetzt überschwemmen wir Deutschland“, verkündet Geschäftsführer Jost-Henner Nies.

Für seinen Feldzug hat sich der Unternehmer starke Partner an die Seite geholt: Kioske und Tankstellen in ganz Deutschland. Sie verkaufen seit ein paar Wochen die bunten Tütchen mit dem hochprozentigen Inhalt. „Das Interesse ist riesig, die Geschäfte laufen gut“, sagt Nies. Konkrete Zahlen könne er aber so kurz nach dem Start noch nicht nennen. Nur so viel verrät er: „Wegen der vielen Anfragen in den ersten Tagen ist unser Telefonsystem im Callcenter zusammengebrochen.“

Bisher gibt es das Getränkepulver in vier Geschmacksrichtungen: Blackberry Wodka, Tropical White Rum, Limette White Rum und Blutorange Wodka. Alle Sorten haben einen Alkoholgehalt von knapp fünf Prozent. Am Kiosk kostet ein Päckchen im Schnitt zwei Euro. Der Inhalt reicht für einen Viertel Liter Alcopop.

Politiker und Suchtexperten ärgern sich über das neue Produkt aus dem Siegerland. Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast will „solche fragwürdigen Erfindungen“ genau unter die Lupe nehmen. Das trickreiche Umgehen der Sondersteuer auf Alcopops ist ihr ein Dorn im Auge. Der Aufschlag soll die äußerst süsslichen Getränke für junge Menschen weniger bezahlbar machen. „Offenbar haben in der Branche immer noch nicht alle verstanden, dass es darum geht, Jugendliche vor den Gefahren des Alkohols zu schützen.“ Ähnlich argumentiert auch die Drogenbeautrage der Bundesregierung Marion Caspers-Merck. Sie empfinde derartige Geschäfte auf Kosten der Gesundheit von Jugendlichen als unethisch.

Nies kann die Aufregung nicht verstehen. Schließlich drucke er einen Warnhinweis auf die Tüten – „Alkohol kann süchtig machen“. Kritiker sagen, das übe auf junge Leute nur einen noch stärkeren Reiz aus.

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