Politisches Parkett
Köpfe: Die Sieger und Verlierer des Jahres

Das Jahr 2005 war für manche Überraschung und politischen Personalwechsel gut: Joseph Kardinal Ratzinger wurde zum Papst gewählt und Angela Merkel zur ersten deutschen Bundeskanzlerin.

Die Gewinner

Angela Merkel: "Ich will Deutschland dienen." Diesen Kernsatz aus ihren Wahlkampfauftritten kann die erste Bundeskanzlerin in der bundesdeutschen Geschichte nun voll ausleben. Doch der Weg ins Kanzleramt war schwieriger als gedacht. Im Mai schien der Sieg von Union und FDP fast sicher. Doch am Wahlabend des 18. September wirkte Merkel, unter deren Führung die Union das drittschlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl einfuhr, wie eine Verliererin. Mit taktischem Geschick, eisernem Machtwillen und einer geschlossenen CDU setzte sie aber ihren Anspruch aufs Kanzleramt gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder und die SPD durch.

Matthias Platzeck: In rasendem Tempo verlief sein Aufstieg vom bundespolitischen Nobody zum neuen SPD-Hoffnungsträger. Mit einem Traumergebnis wurde der Ministerpräsident von Brandenburg Mitte November in Karlsruhe zum SPD-Chef gewählt, schon kurz darauf stand er ganz oben auf der Rangliste der beliebtesten Politiker der Republik. Der 51-jährige Potsdamer drängt sich nicht in neue Positionen, er wird in der Regel gerufen. Das Angebot, sofort in die neue Regierung zu wechseln, lehnte er ab. Seine Chancen, nächster SPD-Kanzlerkandidat zu werden, stehen gut.

Frank-Walter Steinmeier: Mit Schröder hat der Tischlersohn nicht nur die lippische Heimat gemeinsam. Er war auch sieben Jahre als Kanzleramtschef unter Schröder schon der stille Star der rot- grünen Regierung, der im Hintergrund die Fäden zog. Die dort gesammelte Erfahrung nutzt er jetzt im Auswärtigen Amt - als zweiter sozialdemokratischer Ressortchef nach Willy Brandt. Noch muss der Einser-Jurist daran feilen, so populär zu werden, wie die meisten seiner Vorgänger von Brandt bis Joschka Fischer. Schafft Steinmeier das, könnte er auf der Karriereleiter noch weiter aufrücken.

Oskar Lafontaine hat es allen Widersachern gezeigt. Drei Monate vor der Bundestagswahl trat der SPD-Abtrünnige in die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) ein und ist neben Gregor Gysi von der Linkspartei nun Chef der zweitstärksten Oppositionsfraktion im Bundestag. 1995 stürzte er den damaligen SPD-Chef Rudolf Scharping. 1998 ließ er Gerhard Schröder als Kandidat fürs Kanzleramt den Vortritt, schmiss als Finanzministers aber nach fünf Monaten hin. Der bei der SPD in Ungnade gefallene 62-Jährige versteht sich immer noch als eigentlicher Hüter sozialdemokratischer Werte.

Horst Seehofer: Viele hatten den CSU-Politiker nach seiner Niederlage beim unionsinternen Fingerhakeln um die Kopfpauschale endgültig abgeschrieben. Der Sozialexperte und frühere Gesundheitsminister verlor damals sein Amt als Vizefraktionschef. Doch der 56-Jährige mit der Antenne für die Interessen der "kleinen Leute" kam wieder. Seehofer kehrte mit einem der besten Bundestags-Wahlergebnisse auf die Berliner Bühne zurück: Zur allgemeinen Überraschung als Minister für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft. CSU-Chef Edmund Stoiber hatte ihn bei Merkel durchgeboxt.

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