Polizei gibt Pressekonferenz
Schlüsselfigur im Fleischskandal nahm sich das Leben

Der Münchner Fleischhändler, der im Mittelpunkt des neuen Gammelfleischskandals steht, hat sich nach Angaben der Polizei das Leben genommen.

HB MÜNCHEN. Der Mann habe sich im Keller seiner Wohnung erhängt, gab die Polizei am Mittwoch bekannt. Er sei um 7.30 Uhr von seiner Frau gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher in München. Der Sohn habe daraufhin die Polizei informiert. Der 74-Jährige habe sehr unter dem Mediendruck der letzten Tage gelitten, sagte der Sprecher. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief, hatte sich auch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zu Hause sprach er laut Polizei über einen unerträglichen Druck durch die Medienberichte.

Soko-Chef Josef Wilfling sagte, Bruner habe sich „nicht ganz gerecht behandelt“ gefühlt. Außerdem habe ihm offenbar schon vorher die Insolvenz gedroht.

In Unternehmensräumen des Händlers waren vergangene Woche mehr als 100 Tonnen Fleisch sichergestellt worden, dessen Verfallsdatum längst abgelaufen war. Er lieferte nach Behördenangaben in alle Bundesländer und mehrere EU-Staaten. Gegen ihn wurde ermittelt.

„Es gab Umetikettierungen, Haltbarkeitsdaten wurden geschwärzt und überklebt“, berichtete Wilfling. Der Betrieb habe tonnenweise Döner-Spieße zum Teil kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufgekauft, teilweise jahrelang gelagert, aufgetaut, wieder eingefroren und bundesweit an fast 2 500 Kunden weiterverkauft. Weitere 50 Kunden seien in Österreich, den Niederlanden und anderen Nachbarländern. Die niedersächsischen Veterinärbehörden beschlagnahmten weitere fünf Tonnen tiefgefrorene Hähnchenbrustfilets der Firma Bruner.

Der Münchner Oberstaatsanwalt Franz Gierschick erklärte, die 16 Mitarbeiter in Bruners Firma hätten wertvolle Aussagen gemacht. Die Buchführung sei jedoch undurchsichtig.

Nach den neuesten Funden von ungenießbarem Fleisch war ein Streit zwischen Bund und Ländern um Kontrollen und das Weiterleiten von Informationen entbrannt. Bundeskanzlerin Angela Merkel schlug die Einrichtung einer zentralen Informationsdatei im Kampf gegen den Handel mit Gammelfleisch vor.

Bayerische Kontrollbehörden waren bereits im Februar von ihren Kollegen in Mannheim auf eine verdorbene Fleischlieferung aufmerksam gemacht worden, hatten bei einer Prüfung in dem Tiefkühllager aber nichts gefunden.

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