Polizei in die Irre geführt
Frauenmörder nutzt Pussy Riot als Ablenkungsmanöver

Er tötete zwei Frauen und schrieb mit ihrem Blut „Free Pussy Riot" an eine Wand. Der 38-jährige Hochschullehrer wollte so die Fährte zu den Anhängern der inhaftierten Punk-Band lenken. Medien sprangen darauf an.
  • 1

MoskauMit einer in Blut geschriebenen Forderung nach Freilassung der inhaftierten Mitglieder der Polit-Punkband Pussy Riot hat ein Frauenmörder in Russland die Polizei auf eine falsche Fährte führen wollen. Wie die Ermittlungsbehörde am Freitag mitteilte, wurde der Verdächtigte am Donnerstag festgenommen. Bei ihm soll es sich um einen 38-jährigen Hochschullehrer handeln. Er habe gestanden, zwei Frauen in der Stadt Kasan getötet zu haben, teilte die Behörden mit. Mit dem Blut seiner Opfer habe er dann die Worte „Free Pussy Riot" auf eine Wand geschrieben.

Es sollte so aussehen, als ob es sich um einen "Ritualmord" gehandelt habe, erklärten die Ermittler. Bei den Toten handele es sich um eine 38-jährige Frau, mit der der Mann eine Beziehung hatte, und deren 76-jährige Mutter. Der Mann habe der Frau versprochen, sie zu heiraten und sie überredet, einen Kredit aufzunehmen, um seine Schulden zu bezahlen. Das Messer, mit dem er die Frauen in der vergangenen Woche erstochen und dann ihre Körper und Gesichter entstellt habe, sei sichergestellt worden, erklärten die Ermittler.

Der Doppelmord hatte durch seinen Bezug zum Pussy-Riot-Fall in Russland große Beachtung gefunden. Die Ermittler hatten sofort zu Vorsicht gemahnt und vermutet, dass der Täter sie in die Irre führen wollte. Der Täter sei entweder ein Psychopath oder ein Drogenabhängiger, der versuche, seine Tat zu verschleiern, um es Anhängern der Band zuzuschreiben, erklärte ein Ermittler.

Das hinderte kremlnahe Medien und russisch-orthodoxe Geistliche aber nicht daran, eine mögliche Verbindung zwischen dem Mord in Kasan und den Punk-Provokateuren herzustellen. In den Schlagzeilen einiger Medien hieß es danach, Pussy-Riot-Anhänger hätten den Doppelmord verübt oder angeregt.

Der Anwalt der drei Inhaftierten, Nikolai Polossow, erklärte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax über Twitter, das, was in Kasan geschehen sei, sei furchtbar. Es sei entweder eine abscheuliche Provokation oder ein psychopathischer Fall.

Ein Gericht in Moskau hatte zu Beginn des Monats ungeachtet aller internationalen Proteste drei Mitglieder von Pussy Riot zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt, weil sie im Februar ein "Punk-Gebet" gegen Präsident Wladimir Putin in einer Kirche veranstaltet hatten. Die orthodoxe Kirche sprach von einem Sakrileg.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Polizei in die Irre geführt: Frauenmörder nutzt Pussy Riot als Ablenkungsmanöver"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, aber wieso kann jemand "ganz sicher" sein, dass er kein PuRi-Anhänger ist? Oder kann jemand Gedanken lesen? In Kasan (Tatarstan) ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass er kein russisch-orthodoxer Christ ist. Die Radikalisierung spitzt sich dort sei Monaten zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%