Polizei lässt Briefkästen abschrauben
Hessens Anwohner wünschen sich Hubschrauber für Bush

Der mögliche Besuch von US-Präsident George W. Bush am kommenden Mittwoch bringt vielen Wiesbadener Bürgern erhebliches Ungemach: „Ich frage mich, warum man das in einem dicht besiedelten Gebiet machen muss?“, meint etwa Wolfgang Krause, dessen Reihenhaus am voraussichtlichen Weg Bushs von Mainz zum US- Fliegerhorst Wiesbaden-Erbenheim liegt.

HB WIESBADEN. Seit Tagen sind in der Nachbarschaft Polizisten unterwegs und bitten die Anwohner, bis Mittwoch Briefkästen abzuschrauben, Autos von der Straße wegzufahren und Mülltonnen hinters Haus zu räumen. Wenn es nach der Polizei geht, sollen die Leute an diesem Tag nicht mal ihre Balkons betreten.

Ungefähr 15 000 Wiesbadener wohnen entlang der möglichen Routen Bushs. Die vom Rhein nach Erbenheim führende Boelcke-Straße ist normalerweise eine stark befahrene Ausfallstrecke. Am Mittwoch wird sie eine Geisterstraße sein. Von 7 bis 19 Uhr ist sie für Autos und Fußgänger gesperrt. Anwohner müssen ihre Wagen schon am Vorabend wegfahren. Wolfgang Krause wird dann sein Auto bei der zwei Kilometer entfernt wohnenden Schwägerin abstellen - und mit dem Bus nach Hause fahren: „Ich habe ein gewisses Maß an Verständnis. Für Deutschland wäre es ja schon sehr schlecht, wenn Bush hier etwas passieren würde. Aber kann er die 20 Kilometer nicht mit dem Hubschrauber überbrücken?“

Der benachbarte Gebrauchtwagenhändler findet die Sicherheitsmaßnahmen völlig übertrieben. 1963 hat er als kleiner Junge dem damaligen US-Präsident John F. Kennedy in Wiesbaden zugewinkt; aber sein Nachfolger ist für ihn nur ein „wild gewordener Cowboy“. Vor allem sieht der Geschäftsmann keine Möglichkeit, die 25 auf Käufer wartenden Autos auf seinem Parkplatz irgendwo anders unter zu bringen: „Das wird wohl darauf hinaus laufen, dass die Polizei morgens mit dem Sprengstoffhund kommt und dann hier eine Wache aufstellt.“ Seinen Briefkasten wird er am Dienstagabend abschrauben: „Sonst macht das die Polizei, und das wird teuer.“

Geschäfte bleiben geschlossen

Anderen Anwohnern hat die Polizei aufgetragen, ihre Garagen leer zu räumen und offen stehen zu lassen. Wahlweise können sie sie versiegeln lassen. Nirgends soll sich ein Sprengstoffversteck bieten. Kanaldeckel sind verschweißt, und am Mittwoch haben die Beamten auch die Laternenmasten auf mögliche Manipulationen überprüft. Eine Grabstein-Händlerin empörte sich im „Wiesbadener Kurier“, dass die Polizei verlangt habe, ihr Steinlager zu räumen. Die Beamten sprächen lediglich Empfehlungen aus, sagte der Frankfurter Polizeisprecher Jörg Seiderer am Mittwoch: „Wir hoffen auf Verständnis.“

Geschäfte entlang der Boelcke-Straße werden am Mittwoch geschlossen bleiben: „Die Kunden können ja nicht auf unseren Parkplatz“, heißt es etwa in einem Baumarkt mit 40 Beschäftigten. Auch die ein paar Meter entfernte Tankstelle braucht mangels Autoverkehr gar nicht erst zu öffnen. Die Umsatzeinbuße kalkuliert Chefin Elisabeth Knörr auf rund 16 500 Euro: „Das tragen wir. Entschädigung soll es nicht geben.“ Auf Wunsch der Polizei ist sogar der Einfüllschacht zur Tankanlage versiegelt worden.

Sympathiepunkte sammelt Bush damit nicht. Elisabeth Knörr hat jedenfalls nicht vor, dem eventuell vorbeifahrenden Präsidenten zuzuwinken: „Wie denn? Die Leute dürfen ja nicht auf die Straße.“ Allerdings will die Polizei Beifallsbekundungen dennoch möglich machen: Sie hat entlang der Strecke zwei Sammelplätze für Zuschauer eingeplant.

In der Mainzer Innenstadt, wo Bush am Mittwoch mit Bundeskanzler Schröder zusammentrifft, werden vor dem Besuch aus Sicherheitsgründen mindestens 1300 Gully- und Kanaldeckel verschweißt. Auch hier geht es -wie bei den Briefkästen- um die Verhinderung von Sprengstoffattentaten. Die Kosten für die Sicherheits-Aktion belaufen sich auf mehrere zehntausend Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%