Polizeisprecher: „Wie nach einem Erdbeben“
Stadtarchiv in Köln eingestürzt

In Köln sind das Historische Stadtarchiv und mehrere weitere Gebäude eingestürzt, möglicherweise als Folge des U-Bahn-Ausbaus. Es gab offenbar mehrere Verletzte, am Abend wurden noch drei Menschen unter den Trümmern vermisst. Die Rettungskräfte sind mit einem Großaufgebot im Einsatz.

HB KÖLN. In der Kölner Innenstadt ist das Historische Stadtarchiv am Dienstag komplett eingestürzt. Auch zwei Nachbargebäude brachen großenteils zusammen. Am Abend wurden noch drei Menschen vermisst. Der Schaden gilt als unschätzbar, Wissenschaftler sprachen davon, dass das „Gedächtnis der Stadt“ ausgelöscht worden sei.

Zunächst war in den Trümmern nach neun Menschen gesucht worden, später stellte sich heraus, dass sechs Vermisste gar nicht am Unglücksort waren. Sollten tatsächlich Menschen verschüttet worden sein, sind ihre Überlebenschancen gering. „Eine schnelle Rettung ist nicht möglich“, sagte der Direktor der Kölner Feuerwehr, Stefan Neuhoff. Es sei unwahrscheinlich, dass sich in dem Schutt Hohlräume befänden. Wegen Einsturzgefahr müsse nun zunächst die Unglücksstelle gesichert werden, wozu 1000 Kubikmeter Beton nötig seien. Mit den Bergungsarbeiten könne nicht vor Mittwoch begonnen werden.

Neuhoff erklärte, in der unmittelbar benachbarten 28 Meter tiefen Baugrube für die U-Bahn-Erweiterung sei wohl eine Öffnung entstanden. In diese Öffnung sei Erde nachgerutscht, und dadurch sei dem Historischen Archiv möglicherweise der Boden entzogen worden. Auch der Projektleiter der Kölner Verkehrsbetriebe für die U-Bahn- Erweiterung, Rolf Papst, sagte, es könne sein, dass die Absackung mit Aushubarbeiten in der Grube zu tun habe. Dort entsteht zurzeit eine Weichenkonstruktion.

Statiker prüften, ob auch noch andere Gebäude einsturzgefährdet waren. Da ein 30 Meter hoher Baukran vielleicht auf unsicherem Grund stand, wurden 76 Bewohner eines benachbarten Altenheimes in Sicherheit gebracht. Im Umkreis von 150 Metern räumten die Behörden alle Gebäude. Wie viele Menschen insgesamt ihre Wohnungen verlassen mussten, war unklar.

Der Schaden beläuft sich auf zig Mio. Euro, aber vieles lässt sich in Geld gar nicht bemessen. Schätze der zweitausendjährigen Kölner Stadtgeschichte dürften für immer verloren sein. Eberhard Illner, ein langjähriger Abteilungsleiter in dem Archiv, sagte im Deutschlandradio Kultur, der Schaden sei größer als beim Brand in der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar: „Wir reden hier von ungefähr 18 Regalkilometern wertvollsten Archivguts, und zwar europäischen Ranges.“ Köln war im Mittelalter die größte Stadt Deutschlands. Der nordrhein-westfälische Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) sagte, das Archiv habe „die größte und bedeutendste Sammlung ihrer Art in Deutschland“ bewahrt.

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