@pontifex
Was vom Papst im Internet bleibt

Nur drei Monate twitterte Benedikt XVI. Die digitalen Spuren, die der Pontifex hinterlässt, sind nicht besonders tief. Auf kritische Fragen reagierte er nicht oder antwortete mit allgemeingültigen Sprüchen.
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DüsseldorfDer Papst dankt ab und hinterlässt auf seinen neun Kanälen auf Twitter fast drei Millionen Follower. Alleine den Hauptaccount @pontifex verfolgen mehr als 1.5 Millionen Menschen. Dort twitterte der Papst auf Englisch, zusätzlich erschienen seine Botschaften noch auf Deutsch, Französisch, Polnisch, Italienisch, Portugiesisch, Arabisch und Latein.

Eigentlich war als nächstes ein chinesischer Kanal geplant. Doch nicht mal drei Monate, nachdem sich der Papst bei dem Kurznachrichtendienst angemeldet hatte, hört er auch schon wieder auf zu twittern.

Dabei hatte alles so stimmig begonnen: Am Schnapszahl-Datum, dem 12. Dezember 2012, setzte er seine erste Nachricht per Klick aufs iPad ab - bis heute wurde der Tweet fast 65.000 mal retweetet

Urbi@Orbi jubelte Twitter, Benedikt sei der erste Papst überhaupt, der sich in Sozialen Netzwerken tummelt. Einiges erwartete die Community vom Papst. Doch Benedikt entpuppte sich nicht als häufiger Nutzer des Netzwerks.

Gerade mal 37 Tweets schickte @pontifex in die Timeline seiner Follower. Auch die Fragestunde unter dem Motto #AskPontifex war eine Enttäuschung: Gerade mal auf drei Fragen antwortete der Papst, meist mit Weisheiten, die eher Kalendersprüchen ähnelten.

Die Frage: „Wie können wir das Jahr des Glaubens in unserem täglichen Leben besser leben?“ beantwortete er mit „Sprich mit Jesus im Gebet. Hör Jesus zu, der im Evangelium zu dir spricht. Finde Jesus in den Notleidenden." Die Twitter-Nutzer machten sich derweil über den Papst lustig oder stellten kritische Fragen: So wollte der amerikanische Comedian Ricky Gervais wissen, warum der Papst keine Kondome in Afrika erlaube. Antwort? Fehlanzeige.

Um den Papst-Account wurde es danach stiller. Gelegentlich schrieb der Papst eine Kurzbotschaft, statt richtig zu kommunizieren sendete er Sprüche in die Welt. Richtig für Aufregung sollte er erst wieder am 11. Februar sorgen.

Nachdem die Nachricht des Papst-Rücktritts durch die Agenturen lief, explodierte das Netz. In den ersten sechs Stunden verzeichnete Twitter 1997 Tweets pro Minute zum Thema Papstrücktritt. Innerhalb von 24 Stunden gab es über vier Millionen Tweets unter den verschiedenen Hashtags #papst #pope #papa oder #benedikt bei Twitter. Manche verknüpften den Rücktritt mit der gerade geführten Plagiatsdebatte:

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  • Ratzinger: „eine Rationalität der Materie selbst, die vernünftig sein soll - selbst wenn es auf dem Weg der Evolution Irrationales, Chaotisches und Zerstörerisches gebe.“ (SZ vom 28.2.2013)
    Nebenwirkungen, Folgen und das „Böse“ in Form von Totsünden sind menschliche Bewertungen und lediglich im Bewusstseins des Menschen anzutreffen.
    Nach der legendären Vertreibung aus dem Paradies versuchten die Menschen die täglichen Herausforderungen per Landwirtschaft und Erfindungen zu erleichtern – mit bösen Folgen und unerwünschten Nebenwirkungen wie Landraub, Übervölkerung, Umweltbelastung, kriegerische Auseinandersetzungen usw.
    Der christliche Gott soll allgütig, allwissend, allmächtig usw. sein, so die Gnostiker. Gott kannte somit die Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Schöpfung. Um Leid zu vermeiden hätte ein verantwortungsvoller Gott erst gar keinen Apfelbaum pflanzen dürfen, sowie nie die Schöpfung starten dürfen.
    Betrachtet man die tausende Jahre lange Kirchengeschichte, ist diese Zeit mit rücksichtslosen Kriegen und grausamen Handlugen im Namen „der Liebe“ geprägt. Da der christliche Gott sicherlich so eine Geschichte nie wollen konnte, ergibt sich als Schlussfolgerung, dass die christlichen Amts- Kirchen nicht Gottgewollt sein können – Jesus hätte sich seine Aufopferung sparen können, es hat nichts bewirkt, sondern ist erst recht in der Amtskirche rabiat eskaliert. Auch heute werden Gläubige mit religiös motivierten Maßregelungen schikaniert, gemobbt und missbraucht und Verweigert jeden Ansatz das damit zugefügte Leid zu beenden.
    Jesus war weder evangelisch, orthodox, katholisch usw. - und schon gar nicht römisch. Ratzinger ist das bewusst, verleugnet er aus systematisch-, methodischen Gründen, weil dann die Grundlage eines Christentums in sich selbst zusammen bräche?

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