Posse um fehlende Flagge

Doppeltes Bremen statt Hessen-Flagge blamiert Berlin

Ist Bremen ein guter Ersatz für Hessen? So dachten findige Beamte in Berlin, doch sie hatten ihre Rechnung ohne die Landesregierung in Wiesbaden gemacht. Milder Spott ist die Folge.
Kommentieren
Seit gut einem Jahrzehnt stehen am Jakob-Kaiser-Platz die Fahnenmasten. Doch so eine Fahne hält bei Wind und Wetter nicht ewig, muss auch mal ausgetauscht werden. Quelle: dpa
Jakob-Kaiser-Platz in Berlin

Seit gut einem Jahrzehnt stehen am Jakob-Kaiser-Platz die Fahnenmasten. Doch so eine Fahne hält bei Wind und Wetter nicht ewig, muss auch mal ausgetauscht werden.

(Foto: dpa)

BerlinDer Jakob-Kaiser-Platz im Berliner Stadtteil Charlottenburg ist nicht gerade der schönste in der Hauptstadt. Autokolonnen quälen sich durch einen Kreisverkehr, über Brücken führen gleich zwei Autobahnen unmittelbar an dem Kreisel vorbei. Einziger Lichtblick inmitten von Abgasen und Lärm ist die grüne Insel in der Mitte, auf der die Fahnen aller deutschen Bundesländer im Winde wehen. Aller Länder?

Nicht ganz, denn Hessens Flagge fehlt seit März, weil sie zerschlissen war und Geld für eine neue fehlte. Was anfangs auch kaum jemanden störte. Doch dann wuchs sich die Sache zu einer handfesten Posse aus, die irgendwie auch nur in Berlin spielen kann.

Rückblick: Seit gut einem Jahrzehnt stehen am Jakob-Kaiser-Platz die Fahnenmasten. „Wir wollten den Platz verschönern, als eine Art „Tor zu Berlin“ für die Besucher präsentieren, die etwa vom Flughafen Tegel kommend über den Platz fahren“, heißt es aus dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Doch so eine Fahne hält bei Wind und Wetter nicht ewig, muss auch mal ausgetauscht werden.

Während das jahrelang funktionierte, auch weil das Bezirksamt die Flaggen kostenbewusst im Dreierpack einkaufte, ist nun alles anders. Im Frühjahr befand der neue Baustadtrat Oliver Schruoffeneger vor dem Hintergrund einer Haushaltssperre, dass nicht mehr nachbestellt wird. Es gebe wichtigeres als den Unterhalt der Fahnen, der pro Jahr mit 11.000 Euro zu Buche schlage. Die Müllbeseitigung in den Parks etwa.

Was also tun? Findige Mitarbeiter der Behörde kamen auf die Idee, einfach eine zweite Bremen-Fahne aufzuhängen. Die war noch auf Lager. Doch das erwies sich als Reinfall. „Es gab Diskussionen, Bürger riefen an und wiesen auf das doppelte Bremen hin“, schildert Michael Waibel aus dem Büro des stellvertretenden Bezirksbürgermeisters. Bremen II wurde wieder entfernt. Hessen blieb aber außen vor.

Die irrwitzigsten Verbote der Welt
Schweiz: nach 22:00 Uhr auf die Toilette
1 von 17

In der Schweiz ist das nächtliche Wasserlassen verboten: Der Toilettenbesuch muss entweder bis zum nächsten Tag hinausgeschoben oder eine andere, weniger hygienische Lösung gefunden werden, sprich: nicht abzuspülen bis zum nächsten Morgen. Nicht erlaubt ist auch das Pinkeln im Stehen zu später Stunde, auch ohne die Spülung zu betätigen, da – so die Meinung – die Nachtruhe der Nachbarn zwangsläufig gestört würde.

Quelle: ots/Reiseportal Jetcost.de

Singapur: Kaugummi kauen
2 von 17

Singapur ist eines der saubersten Länder der Welt. Als man 1992 bemerkte, dass sich die Rechnung der öffentlichen Reinigung aufgrund von auf Fußböden festklebenden Kaugummis immer mehr erhöhte, wurden Verkauf und Konsum des schmatzenden Gummis verboten. Seit 2004 wurde das Verbot leicht gelockert und die singapurischen Bewohner dürfen seitdem wieder kaugummikauen – aber nur auf ärztliche Anordnung! Zum Erwerb sind jene berechtigt, die mit dem Rauchen aufhören wollen oder über Verdauungsbeschwerden klagen.

Dubai: Küssen in der Öffentlichkeit
3 von 17

Dubai ist derzeit eines der beliebtesten Ziele für Honeymooner. Die frisch Vermählten sollten jedoch vorsichtig sein, wo sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Küssen in der Öffentlichkeit ist nämlich in Dubai verboten, da es nicht mit den Vorschriften lokaler Kultur und Sitten konform geht. Aufgrund der Anzahl festgenommener Paare hat die Regierung eine Broschüre veröffentlicht, in der sie ausländische Besucher darüber aufklärt, bestimmte Verhaltensregeln während ihres Aufenthalts zu respektieren. Die Vorschriften erinnern unter anderem daran, dass auf der Straße weder Alkohol konsumiert werden darf, noch betrunkenes Torkeln oder Tanzen, Zuneigungsbekundungen wie Küssen oder Händchenhalten erlaubt sind. Darüber hinaus wird das Einnehmen von Drogen, Fluchen und das Äußern von Schimpfwörtern sowie Spucken nicht geduldet.

Philippinen:: Frank Sinatras „My Way“ singen
4 von 17

In manchen Ländern ist Karaoke eine sehr ernste Sache. So ernst, dass es bei falsch gesungener oder respektloser Interpretation einiger Songs zu schwerwiegenden Zwischenfällen gekommen ist. Dies ist beispielsweise auf den Philippinen der Fall, wo Frank Sinatras „My Way“ 2010 in Karaoke-Lokalen verboten werden musste, da es seinetwegen zu Zwischenfällen bis hin zu Mord gekommen ist. Denn in den letzten zehn Jahren vor dem Verbot gab es mindestens ein halbes Dutzend organisierte Streitereien, die für den Interpreten einer "miserable Versionen" des besagten Liedes zum Tod führten.

Kampf dem „My-Way-Verbrechen“
5 von 17

Obwohl die Behörden nicht nachweisen konnten, dass die tödlichen Querelen Sinatras Song zur Ursache hatten, bezeichnete die Presse die Taten als die „My-Way-Verbrechen“. Was zu einer einfachen Anekdote hätten werden können, kulminierte in einer nationalen Paranoia: viele Lokale des Landes strichen „My Way“ aus ihrem Song-Repertoire.

Burundi: Joggen in Gruppen
6 von 17

Während des Bürgerkriegs, der in Burundi von 1993 bis 2008 tobte, liefen die Bürger in großen Gruppen los, um Spannungen abzubauen und sich vor den gefährlichen Milizen zu schützen. Im März 2014 jedoch verbot der Präsident des Landes, Pierre Nkurunziza, das Laufen in Gruppen mit dem Argument, die kollektiven Läufe würden als Deckmantel subversiven Unruhestiftens gegen die Regierung genutzt. Das Gesetz ist derart streng, dass es Gefängnisstrafen vorsieht. Aber dies gilt nur für Gruppen, einzelne Personen dürfen weiterhin joggen gehen.

Turkmenistan: Playback, Oper und Ballett
7 von 17

In Turkmenistan wird entweder richtig oder gar nicht gesungen. Die Regierung erließ 2005 ein Verbot von Playbacks für Sänger und Gruppen in Fernsehshows und bei kulturellen Events, mit dem Ziel, „die authentische Kultur des Landes zu erhalten“. Und da man schon beim Verbieten war, schloss man gleichzeitig die für „unnötig“ befundene Oper und das Ballett in das Verbot mit ein.

Das wollte die Landesregierung in Wiesbaden nicht auf sich sitzen lassen, als sie von den finanziellen Nöten im fernen Berlin erfuhr. Sie bewies föderales Verantwortungsbewusstsein für die Hauptstadt und spendete eine rot-weiße Hessen-Flagge mit blauem Löwenwappen. Die Übergabe war am Mittwochnachmittag im Rathaus Charlottenburg geplant.

„Wir sind in Hessen gewohnt, pragmatisch zu handeln und schnelle Lösungen zu finden“, sagt Lucia Puttrich dazu, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, und schiebt gleich noch eine kleine Spitze hinterher: „Aber dauerhaft werden wir mit solchen kleinen Maßnahmen die Haushaltsprobleme von Berlin nicht lösen können.“ Immerhin: „Die Angelegenheit hat zu keinen diplomatischen Verwicklungen geführt“, beruhigt Puttrich. „Wir haben es mit Humor genommen.“

Im Berliner Flaggenhaus am Alexanderplatz kostet eine drei Meter große Hessen-Flagge übrigens 77,98 Euro plus Mehrwertsteuer. „Digital bedruckt, Polyestergewirke, 110 Gramm je Quadratmeter, doppelt gesäumt und maschinenwaschbar“, wie Geschäftsführer Thomas Lünser erläutert. Eine Qualität, die im Berliner Wind drei bis vier Jahre hält. Andere Flaggen liegen, je nach Aufwand, in ähnlichen Größenordnungen.

Für die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf könnte dies eine wichtige Entscheidungshilfe sein. Die Volksvertreter wollen demnächst grundsätzlich über den weiteren Umgang mit der Flaggenproblematik beraten. Denn der Logik folgend dürfte früher oder später die nächste Fahne schlappmachen.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Posse um fehlende Flagge - Doppeltes Bremen statt Hessen-Flagge blamiert Berlin

0 Kommentare zu "Posse um fehlende Flagge: Doppeltes Bremen statt Hessen-Flagge blamiert Berlin"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%