Postbank-Chef Wolfgang Klein
Wellenreiten im Finanzsturm

Kurz nach seinem Amtsantritt muss der neue Postbank-Chef Wolfgang Klein Analysten und Investoren beruhigen. Bis dahin hatte er nie etwas mit Subprime-Krediten zu tun gehabt. Das ändert sich schlagartig. Jeden Tag scheinen die Subprime-Wellen höher zu schlagen. Klein erinnert sich.

FRANKFURT. Das erste ungute Gefühl in der Magengegend baut sich in Wolfgang Klein auf, als er mit seiner Familie in der Sonne von Mallorca Urlaub macht. Es ist Donnerstag, der 26. Juli; und auf die Frage "Wie geht es Ihnen?" antwortet Finanzchef Marc Hess dem neuen Vorstandschef der Postbank am Telefon nur mit: "Das wollen Sie gar nicht wissen!"

Der Begriff "Subprime" hat zu dem Zeitpunkt in der Finanzgemeinde schon für erstes Stirnrunzeln gesorgt. Gut zwei Monate vorher hat das Risikomanagement der Postbank deshalb tief in ihre Bücher geschaut. Ergebnis: 800 Mill. Euro an Subprime-Papieren in den Büchern. Die Zahl ist bereits in einer Analystenstudie veröffentlicht, doch erst jetzt beginnen Analysten und Investoren, sich so richtig dafür zu interessieren. So bringt ein neuer Analystenbericht der Investmentbank Morgan Stanley, in dem die Zahl wieder auftaucht, den Kurs der Postbank gehörig unter Druck - und den gerade einmal knapp drei Monate amtierenden Finanzchef Hess ins Schwitzen.

Klein selbst, ein Hobbymarathonläufer mit jungenhaftem Gesicht, hat keine vier Wochen zuvor erst die Spitze der Postbank übernommen. Und jetzt das, vier Tage vor der ersten Vorlage der Quartalszahlen unter ihm als Vorstandschef!

Mit der Urlaubsstimmung ist es erst recht vorbei, als der 43-Jährige am Freitag - noch auf Mallorca - unter der Hand erste Gerüchte hört, eine deutsche Bank sei in eine massive Schieflage geraten. Noch ist unklar, welche.

Nachmittags um vier Uhr fragt die Finanzaufsichtsbehörde BaFin bei den deutschen Kreditinstituten quer in der Republik nach, wie tief sie im Subprime-Sumpf steckten - auch bei der Postbank in Bonn.

Als Klein am Samstag nach Deutschland zurückfliegt, brodelt die Gerüchteküche unter den gut verdrahteten Bankern. Der Name IKB macht als eine Möglichkeit die Runde - ein Nachbar der Postbank in NRW und ein guter Geschäftspartner. In Frankfurt geht der Postbankchef am Sonntag mit Finanzchef Hess noch einmal seine Präsentation der Geschäftszahlen durch - Girokonten, Bausparen, Konsumkredite - das Übliche in unüblichen Zeiten. Dann legt er sich im Hilton Hotel schlafen.

Gegen drei Uhr nachts ist es, als sein Handy ihn weckt. Über die Ticker ist die Rettung der IKB amtlich geworden. Die Notfall-Telefonkette der Postbank ist in Gang gesetzt. 20 Leute in der Zentrale, Klein und Hess in Frankfurt untersuchen die Auswirkungen für die Postbank. Wie sehen die Kreditlinien für die IKB aus? Was heißen die Probleme für die bei IKB-Finanzvehikeln untergebrachten beiden Zweckgesellschaften der Postbank? "Wir haben die Nacht genutzt, um vorzubereiten, was wir am Montag sagen", erinnert sich Klein. Um sechs Uhr legt er sich noch einmal kurz hin, um acht Uhr informiert er seinen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Um neun Uhr stellt er sich den Analysten.

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