PR-Desaster
Im Monopoly ist kein Platz für Hinterteile

Eigentlich wollte der amerikanische Spielekonzern Hasbro seinen Klassiker „Monopoly“ nur um eine Frankreich-Edition bereichern, mit Städten anstelle der Straßen. Basisdemokratisch sollten die Franzosen im Internet bestimmen, welche Orte im Spiel auftauchen sollten. Doch der Schuss ging nach hinten los. Wie eine Web-Abstimmung im PR-Desaster endete.

PARIS. Das Internet bietet unbegrenzte Möglichkeiten – auch für die Unternehmenskommunikation. Endlich kann ein Anbieter direkten Kontakt mit seinen Endkunden aufnehmen und auf deren Wünsche reagieren. So oder ähnlich scheinen die Verantwortlichen des US-Spielekonzerns Hasbro gedacht zu haben. Denn sie hatten die Idee, ihren Spieleklassiker "Monopoly“ um eine Frankreich-Edition zu bereichern, mit Städten anstelle der Straßen. Der Konzern setzt pro Jahr rund eine halbe Million Monopoly-Spiele in Frankreich ab. Basisdemokratisch sollten die Franzosen nun auf der Seite www.monopoly.fr bestimmen, welche Orte im Monopoly à la francais auftauchen sollten und welche Stadt den begehrten Platz der "Schlossallee“ einnehmen darf.

Die Aktion endete indes als PR-Desaster. Denn die Hasbro -Leute haben ihre Monopoly-Rechnung ohne die Web-Gemeinde gemacht. Schnell kursierten auf Spiele-Bloggs und bei Youtube Aufrufe, die 1 400-Seelengemeinde "Montcuq“ auf den Platz der "Schlossallee“ zu wählen. Denn im Französischen wird der Name des verschlafenen Örtchens fast genauso ausgesprochen wie "mon cul“, zu deutsch: "mein Arsch“.

Das Dörfchen Montcuq, rund 100 Kilometer nördlich von Toulouse gelegen, genießt bereits seit den 70er Jahren Kult-Status bei den Franzosen. Berühmt gemacht hat es der verstorbene TV-Komiker Jacques Martin – der Ex-Mann der Ex-Präsidentengattin Cécilia Sarkozy – im Jahr 1976 durch einen Sketch: Er schickte seinen Komiker-Kollegen Daniel Prévost in das Dorf, der seinen Kult-Beitrag mit dem Satz begann: "Meine Damen und Herren, zum ersten Mal im französischen Fernsehen zeige ich ihnen heute Montcuq.“ Prévost dreht sich um, die Kamera zoomt von seinem Gesicht zurück und rückt das Ortsschild ins Bild, neben dem der Komiker steht. Der Sketch mit seinen zahlreichen Wortspielen ("Wie ist eigentlich die Luft in Montcuq?“) geistert nun über zahlreiche Video-Plattformen und erlebte durch die Monopoly-Abstimmung einen zweiten Frühling. Tatsächlich lag am Ende der Wahl "Montcuq“ mit knapp 53 000 Stimmen deutlich vor der Stadt auf Platz zwei, Dunkerque, für die rund 31 000 Webnutzer klickten.

Doch wenn es um die Absatzchancen der französischen Ausgabe von Monopoly geht, hört bei Hasbro der Spaß auf: "Montcuq“ wurde aus dem Wettbewerb genommen, den Platz der Schlossallee bekam Dunkerque. "Wir behalten den Kurs eines Spiele-Verlegers bei, der Produkte entwickelt, für die es eine Nachfrage gibt“, sagte Yves Cognard, Marketing-Chef von Hasbro France, der Agentur AFP zur Begründung. Monopoly solle den Charakter eines Familienspiels behalten – da sei kein Platz für "Montcuq“ auf der Schlossallee. Hasbro habe gar Post von besorgten Müttern erhalten, die fürchten, ihre Kinder könnten beim Spiel mit diesem anzüglichen Monopoly Schaden nehmen.

Die Web-Gemeinde tobte: "Hasbro hält die Web-Nutzer für Idioten“, schimpfte nokenny.com. Sophie2 rief zum Boykott des Spiels auf, das im März 2008 in die Läden kommen soll.

Als Trostpreis verspricht Hasbro, eine eigene "Montcuq“-Version von Monopoly auflegen zu wollen, bei der die Straßen und Plätze des Dorfes die Spielfelder von "Rathausplatz“ bis "Schlossallee“ einnehmen sollen. Den Bürgermeister von Montcuq, Daniel Maury, kann das nicht so recht trösten: "Offenbar glaubt man, dass der Name von Montcuq nicht würdig ist, um im Monopoly zu erscheinen.“

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