Predigt vor 300 000 Menschen
Papst spricht Mutter Teresa selig

Mit der größten Seligsprechung in der Geschichte hat Papst Johannes Paul II. die Ordensfrau und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa geehrt.

HB VATIKAN-STADT. „Sie war ein Ebenbild des guten Samariters“, sagte der 83-jährige Papst in seiner Predigt, die er von Helfern vortragen ließ, um seine Kräfte zu schonen. „Sie hat sich entschieden, nicht nur die Geringste zu sein, sondern die Dienerin der Geringsten.“ Aus Bewunderung für Mutter Teresa waren auch zahlreiche Nicht-Katholiken zu der Messe auf den Petersplatz in Rom gekommen. Die 1910 in Skopje geborene Nonne hatte sich mit ihrer Arbeit im indischen Kalkutta, die ihr den Ehrentitel „Engel der Armen“ eintrug, in der ganzen Welt Respekt erworben.

Auch viele Schwestern des Ordens der „Missionarinnen der Nächstenliebe“, den Mutter Teresa im Jahr 1950 gegründet hatte, waren nach Rom gereist. Mit ihren blau-weißen Gewändern stachen sie aus der Menge hervor, die den ganzen Petersplatz füllte. Der Orden hat mittlerweile 4500 Schwestern und betreibt in 133 Ländern Heime, Schulen und Hospize für Arme und Sterbende.

„Mit unserer apostolischen Autorität gewähren wir, dass die ehrwürdige Dienerin Gottes, Teresa von Kalkutta, von nun an selig genannt werden soll“ - auf Latein, von alters her die Sprache der katholischen Kirche, sprach der Papst mit diesen Worten die Nonne selig, die 1997 im Alter von 87 Jahren gestorben war. Indische Mädchen, in weiß-goldenen Saris bekleidet, legten Blumen am Altar nieder, und von einem Balkon des Petersdoms wurde das Bild einer lächelnden Mutter Teresa enthüllt.

„Es ist nicht genug, wenn wir sagen: Ich liebe Gott, aber ich liebe meinen Nächsten nicht“, hatte die Nonne gesagt, als sie 1979 den Friedensnobelpreis erhielt. „Wie kann man Gott lieben, den man nicht sehen kann, wenn man nicht den Nächsten liebt, den man sieht, berührt, mit dem man lebt?“

Der Papst, der in dieser Woche seinen 25. Jahrestag als Oberhaupt der Römisch-katholischen Kirche feierte, hatte das Seligsprechungsverfahren beschleunigt. Mit seiner Erlaubnis begann es bereits zwei Jahre nach dem Tod Mutter Teresas statt der üblichen fünf Jahre. Die Seligsprechung ist in der katholischen Kirche ein Schritt vor der Heiligsprechung. Der Papst hatte sogar erwogen, Mutter Teresa sofort zur Heiligen zu erklären.

In Kalkutta versammelten sich bei Tagesanbruch Hunderte zum Gebet am Grab von Mutter Teresa. „In dieser selbstsüchtigen und individualistischen Welt war sie ein Beispiel für die selbstlose Arbeit für die Armen“, sagte eine spanische Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation. „Ich bin einfach glücklich, hier zu sein."

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