Preise dürften flexibler werden
Umbruch in der Tourismusbranche

Die deutsche Tourismusbranche erlebt derzeit den größten Wandel seit Jahren. Die klassische Pauschalreise mit festen Katalogpreisen gerät zunehmend ins Abseits. Immer häufiger wird der typische Charterflieger durch Billigflieger ersetzt. Der Vertrieb über das Reisebüro kommt zudem durch das Internet weiter unter Druck.

HB FRANKFURT. "Die Reisebranche ist im Umbruch", fasst der Präsident des Deutschen ReiseVerbandes (DRV), Klaus Laepple, zusammen. Doch trotz der Veränderungen bleibt die Branche im Aufwind - und könnte den Veranstaltern Prognosen zufolge im kommenden Jahr mehr als 20 Mrd. Euro in die Kassen spülen.

Die größten Umbrüche gab es in diesem Jahr bei den Marktführern Tui und Thomas Cook - mit jeweils sehr ähnlichen Modellen. Thomas Cook schloss sich mit der britischen MyTravel zusammen und ist jetzt ein britischer Konzern, der mehrheitlich der deutschen Arcandor (früher Karstadt-Quelle) gehört. Tui folgte wenig später und legte seine Tourismussparte mit dem britischen Veranstalter First Choice zusammen. Die neue Tui Travel hat nun ebenfalls ihren Hauptsitz in Großbritannien und gehört mehrheitlich der deutschen Tui AG.

Beide Tourismusgiganten sind damit noch ein deutliches Stück größer geworden. Doch das Modell des integrierten Konzerns, der Hotels, Flüge und Vertrieb aus einer Hand bietet, steht immer weniger im Mittelpunkt. Nachdem sich der Branchen-Dritte Rewe von seiner Flugbeteiligung LTU getrennt hat, vereinbarte Thomas Cook (Neckermann Reisen) die Abgabe seiner deutschen Flugtochter Condor. Beide Gesellschaften sollen sich künftig unter dem Dach von Air Berlin wiederfinden, an der Thomas Cook im Gegenzug dann eine Minderheitsbeteiligung hält.

Und auch bei Tui gehen Branchenexperten davon aus, dass die zuletzt unter Druck geratene deutsche Flugsparte TUIfly nicht allein bleiben wird - und möglicherweise in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Lufthansa - Beteiligung Germanwings aufgeht. Die früheren Charterflieger dürften dann kaum noch vom Geschäftsmodell der Billigflieger zu unterscheiden sein.

Aber auch der klassische Reisevertrieb steht im Umbruch. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine so hohe Reisebüro-Dichte wie in Deutschland. "Statistisch entfallen hier zu Lande 12,7 Reisebüros auf 100 000 Einwohner", sagt DRV-Präsident Laepple. Doch die oft mittelständischen Büros haben schwer gegen die Konkurrenz des Internets zu kämpfen. So will zum Beispiel Thomas Cook den Anteil der Onlinebuchungen am Umsatz auf rund ein Drittel steigern.

Die Büros bekommen das längst zu spüren: So ging die Zahl der vom Deutschen ReiseVerband erfassten Reisebüros binnen eines Jahres um 500 zurück. Zurzeit gibt es rund 11 400 Reisebüros, vor wenigen Jahren waren es einige tausend mehr. Viele Branchenexperten raten den Reisebüros, neben ihrem Ladengeschäft auf einen Online-Auftritt zu setzen - um so den neuen Kundenanforderungen nachzukommen.

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