Preise verdreifacht
„Limetten-Krise“ in Mexiko

Eine frisch gemixte Margarita wird zum Luxusgut. Limetten sind so teuer wie schon lange nicht mehr. Eine Pflanzenseuche, schlechtes Wetter und das organisierte Verbrechen in Mexiko treiben die Preise nach in die Höhe.
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New York/Mexiko-StadtKeine grüne Limette, sondern eine gelbe Zitronenspalte liegt neben dem Taco auf dem Teller, den Sergio Ramirez gerade einem Kunden an der Bar hinstellt. „Eigentlich gehört dort natürlich eine Limettenspalte hin, aber das geht im Moment einfach nicht“, sagt der Barkeeper einer mexikanischen Kneipe in Manhattan. „Die Preise für Limetten haben sich verdreifacht, wir müssen damit gut haushalten. Auch an meine Drinks stecke ich keine Limettenscheibe als Deko mehr.“

Schon an der Eingangstür warnt die Bar an der Upper East Side ihre Kunden mit einem Aushang: „Um unsere Preise auf dem gleichen Niveau halten zu können, werden wir Limetten überall dort, wo es in unseren Speisen möglich ist, durch Zitronen ersetzen. Limetten stellen wir ausschließlich auf Anfrage bereit.“

Nur in die Drinks gehöre unbedingt echter Limettensaft, sagt Ramirez. „Eine Margarita mit Zitronensaft schmeckt einfach nicht.“ Sein Kollege Phil Ward, Besitzer der Bar „Mayahuel“ in Manhattan, sieht das genauso. „Uns bleibt nichts anderes übrig als draufzuzahlen“, sagte er der „New York Times“, die schon eine „Limetten-Krise“ ausrief.

Limetten sind in den USA nicht nur dank der vielen Einwanderer aus Süd- und Mittelamerika extrem beliebt. Jeder Amerikaner konsumiert durchschnittlich mehr als ein Kilogramm der kleinen grünen Zitrusfrüchte pro Jahr. Der Großteil davon wird aus Mexiko importiert, dem weltgrößten Produzenten und Exporteur von Limetten.

Dort sind zuletzt die Preise explodiert. Zwischen Dezember vergangenen Jahres und März stieg der Preis nach Angaben der nationalen Statistikbehörde um mehr als 240 Prozent. Allein im vergangenen Monat legte er um etwa 41 Prozent zu. Ein Kilogramm Limetten kostet in einigen Städten im Norden des Landes und in Mexiko-Stadt derzeit bis zu 80 Pesos (4,40 Euro).

In Mexiko sind Limetten ein Grundnahrungsmittel und werden zu fast jeder Mahlzeit gereicht. Extreme Preisanstiege schaffen es dort durchaus auf die Titelseiten der Zeitungen. „Die Preise im Moment sind verrückt“, sagt Rodrigo Flores, der im Geschäftszentrum der mexikanischen Hauptstadt einen mobilen Obststand betreibt. „Aber was soll ich machen? Die Leute wollen Limettensaft zu ihrem Obstsalat und ich muss den Preis bezahlen, den die Großhändler verlangen.“

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