Prenzlauer Berg: Berlin kämpft gegen die Privatzimmer

Prenzlauer Berg
Berlin kämpft gegen die Privatzimmer

Rund 15.000 Wohnungen werden in Berlin an Touristen vermietet, günstiger als Hotelzimmer. Die meisten davon sind allerdings nicht behördlich gemeldet - jetzt wehren sich Politiker und Hoteliers.

Berlin„Ansprechende Ein-Zimmer-Appartements“, „schöne Ferienwohnungen“ oder „gemütliche Unterkünfte“ - so oder ähnlich lauten die Anzeigen, mit denen Berlin-Touristen Übernachtungen von Privat angeboten werden. Zwischen 50 und 80 Euro kostet das Doppelzimmer pro Nacht und ist damit zumeist günstiger als ein Hotelzimmer. Ein weiteres Plus: Die Privatherbergen liegen häufig in Vierteln, die bei Touristen äußerst beliebt sind: am Hackeschen Markt in Mitte, unweit der Kreuzberger Oranienstraße oder an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg.

Den meisten dieser Zimmer oder Wohnungen ist eins gemein: Sie sind nicht behördlich angemeldet und damit illegal. Schon lange gibt es Widerstand gegen die Privatzimmer von Seiten der Bezirke und des Hotelgewerbes. Pankows Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner von den Grünen, hat den Privatunterkünften jetzt den Kampf angesagt. Zu Pankow gehört auch der Szenekiez, der von Neuberliner gern liebevoll „Prenzlberg“ genannt wird. Hier hat die Anzahl der illegal betriebenen Fremdenzimmer in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen.

Schätzungsweise 1500 Wohnungen werden in dem Stadtteil nicht mehr regulär vermietet, sondern tageweise an Touristen aus aller Welt. „Rund drei- bis viermal mehr Geld lässt sich so aus einer Wohnung schlagen“, sagt Kirchner. Bringt eine Einzimmerwohnung rund 400 bis 500 Euro, so lassen sich mit Touristen schnell über 100 Euro verdienen.

Kirchner hat deshalb vor kurzem die Nutzung von Wohnungen als Ferienunterkünfte amtlich verbieten lassen. Anfang des Monats veröffentlichte das Amtsblatt Berlin auf Initiative des Bezirksamts Pankow neue Kriterien für die Beurteilung von baulichen Anträgen in sogenannten Erhaltungsgebieten. Dies sind Gegenden, deren Charakter als besonders schützenswert eingestuft wird, zum Beispiel weite Teile von Prenzlauer Berg.

Als nächsten Schritt will der Stadtrat an drei Fällen ein Exempel statuieren. Die Vermieter einer kleinen, einer mittleren und einer großen Wohnung an Touristen sollen vom Amt bestraft werden. "Das soll Signalwirkung haben", sagt Kirchner. Ob er so der Entwicklung Einhalt gebieten kann, bleibt abzuwarten.

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15.000 Wohnungen für Touristen

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