Pressestimmen
Was Europa über den Papst denkt

Die ausländische Presse über das Leben und den Tod von Papst Johannes Paul II:

El Mundo, Spanien: „Noch nie ist ein Mensch nach seinem Tod weltweit so geehrt worden wie Papst Johannes Paul II. Vom „Weltherrscher' George W. Bush über den kommunistischen Diktator Fidel Castro bis hin zu den Fundamentalisten der Taliban - praktisch alle Akteure der Weltpolitik preisen das Pontifikat des soeben gestorbenen Kirchenoberhaupts in den höchsten Tönen. Zwar hat jeder seine eigenen Motive. Aber es fällt auf, dass die Würdigungen den gesamten Erdball umfassen. Wir haben es hier mit einem wirklich globalisierten Phänomen zu tun. Johannes Paul II. war der Papst der Ära der Globalisierung.“


Le Figaro, Frankreich: „Der Papst erscheint bereits als ein Gigant des 20. Jahrhunderts wie de Gaulle oder Churchill. Zumal Johannes Paul II. es sehr schnell vermochte, sich über den Kreis der Getreuen seiner Kirche hinaus an alle Menschen zu wenden. Sein Wort fand außerhalb der Christenheit genauso viel Widerhall wie innerhalb. Um nur ein Beispiel zu nennen: Seine Äußerungen in seiner Heimat Polen über das kommunistische Regime wurden wie die eines Rebellen aufgenommen und er trug mehr als irgendein Politiker zum Sturz einer der Tragödien des vergangenen Jahrhunderts bei.“


La Stampa, Italien: „Der größte Medienpapst der Geschichte hat auch nach seinem Tod nicht aufgehört, dies zu sein. Der Pontifex hat vor den Augen der Welt nichts versteckt, nichts von seinem Leben und nichts von seiner Krankheit; und folglich auch nichts von der allerletzten Etappe seines irdischen Daseins.“


Gazeta Wyborcza, Polen: „Wir lebten in der Epoche von Johannes Paul II - denn so wird das letzte Vierteljahrhundert genannt werden - der des Papstes, der die katholische Kirche veränderte, der Polen veränderte, der die Welt veränderte, und schließlich jeden von uns. ... Er stellte hohe Ansprüche. Deshalb rief er oft Widerspruch hervor. Nie aber änderten die Worte des Widerspruchs den Respekt und die Bewunderung des Nachfolgers von Petrus in Rom. Er lernte persönlich die beiden schrecklichsten Dämonen des 20. Jahrhunderts kennen - den Totalitarismus der Nazis und der Kommunisten. Die Schatten von Auschwitz und Kolyma begleiteten seine Lehre unaufhörlich ... Heute sind wir traurig. Die größte Autorität der Polen kehrt niemals zurück. Und doch danken wir dem Schicksal, dass in unserem Leben dieser ungewöhnliche Stellvertreter Christi erschien, der so viel Gutes tat.“


Daily Telegraph, Großbritannien: „Mit dem Tod von Johannes Paul II. endet das lange Leiden des größten Papstes aller Zeiten. Der Vorhang ist letztlich nach einem Drama eines Pontifikates gefallen, das eine Epoche prägte, nicht nur in der Geschichte des Papsttums, sondern auch der Christenheit. An seine Worte und Taten wird man sich erinnern, solange die römisch- katholische Kirche existiert; es ist nur eine Frage der Zeit, wann sein Name in den Kanon der Heiligen aufgenommen werden wird, deren Zahl er mehrte wie kein anderer Papst.“


Grenz-Echo, Belgien: „Ohne die großen Verdienste des verstorbenen Papstes um die Christenheit und den Frieden schmälern zu wollen, nicht wenige Katholiken hoffen darauf, dass der nächste Papst den Mut aufbringt, die Institution Kirche auch in ihrem Innern zu modernisieren und den Erfordernissen unserer heutigen Zeit anzupassen. In den Augen vieler Christen bräuchte Rom jetzt einen Papst wie Johannes XXIII. einer war. Unter diesem äußerst populären Oberhaupt wurden zwischen 1958 und 1963 grundlegende Reformen eingeleitet. Egal wie der künftige Papst sich nennen wird, möge er in seinem konkreten Handeln ein Johannes XXIV. sein!“


Neue Zürcher Zeitung, Schweiz: „All jene Katholiken, die geglaubt hatten, als Papst werde Wojtyla die Bischofssynode zum „Parlament“ der Kirche und sich selber als deren oberstes Exekutivorgan erklären, sahen sich getäuscht. Am Primat des Bischofs von Rom ließ er nicht rütteln, nicht von modernistischen innerkatholischen Kräften, aber auch nicht von anderen christlichen Gemeinschaften. Johannes Paul II. hinterlässt seinem Nachfolger ein schweres Erbe. Alle Welt wird den neuen Papst am Vorgänger messen. Aber dessen Charisma entzieht sich wohl jedem Vergleich.“


Libération, Frankreich: „Karol Wojtyla war gleichzeitig eiserner Papst und „pope star“. Er wechselte hin und her zwischen engagiertem Konservatismus in der realen Welt und reaktionärer Verteidigung des Dogmas. (...) Dieser Dogmatismus hinderte ihn daran, die Zahl der Geistlichen mit der Priesterweihe von Frauen oder der Heirat von Priestern wieder zu erhöhen. Er hielt ihn zudem im Bild eines nur auf Restauration und nicht auf Renovation erpichten Prälaten gefangen. Inmitten der Rückkehr des Religiösen, von der alleine die katholische Kirche nicht wirklich zu profitieren scheint, wird diese Unbeweglichkeit vielleicht in seiner eigenen Gemeinde als seine Hauptsünde in Erinnerung bleiben.“


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