Prinz William macht Schluss
Noch nicht reif für die englische Rose

Prinz William trennt sich von seiner langjährigen Freundin – und die Briten spekulieren über die Gründe. Ist Kates Mutter Schuld? Waren die Middletons nicht fein genug für das Königshaus? Oder hat William Angst vor der Ehe? Fest steht nur: Jetzt beginnt die neue Brautschau.

LONDON. Kate verbrachte ein stilles Wochenende mit ihren Eltern in Newbury. William ertränkte seinen Kummer in der Mahiki Bar in London. Als er am Samstagmorgen um halb vier aus dem Nachtclub wankte – zwei Stunden, bevor die „Sun“ weltexklusiv mit der Geschichte einer königlichen Trennung an die Kioske kam – musste der junge Leutnant alle Haltung zusammennehmen.

Der da mit gläsernem Blick und heraushängendem Hemd ins Blitzlichtgewitter lief, war nicht mehr der schüchterne Student, den Kate Middleton im September 2001 an der St. Andrew’s Universität kennen gelernt hatte, sondern ein Offizier des Blues and Royals Regiments, der in der Welt der Offiziersmessen zu Hause ist. Reporter des „Sunday Mirror“ machten Flecken auf Williams brauner Cordhose aus: Dom Perignon aus Magnum-Flaschen sollen er und seine Freunde den Abend über getrunken haben. Aber Champagner macht solche Flecken nicht. Eher die „Treasure Chest Cocktails“ für 800 Euro.

„Lasst uns die Karte durchtrinken“, gab William als Motto aus. Auf 11 000 Pfund belief sich die Barrechnung, berichtet der „Mirror“. Denn die Liebe zu Kate war groß, und so bedurfte es einer großen Anstrengung, sie zu ersäufen. Um zwei Uhr zog William dann mit Hilfe der Rolling Stones philosophisch Bilanz. Alle sangen „You can’t always get what you want“.

Meinte er Kate, sich selbst, gar die britische Nation? Briten trauern nun ein bisschen um die neue Prinzessin der Herzen. Sie wäre fast so hübsch und jung wie Diana, dafür weniger kompliziert gewesen. „Eine umstandslos elegante englische Rose“, lobte das Gesellschaftsmagazin „Tatler“ die Unaffektiertheit des Mädels aus den niedrigeren Ständen. Genau die richtige Blutzufuhr für die britische Monarchie! Trauer auch bei Woolworth, wo die Souvenirteller für die Hochzeit schon vorbereitet waren. Wettbüros hatten sich auf den 19. Juli als Hochzeitstermin geeinigt. „Aber wir nehmen keine Wetten mehr an. Wir würden ein halbes Königreich verlieren“, ließ das Wettbüro William Hill im Februar erklären.

Nun, im Lichte der Aprilsonne, nimmt sich alles anders aus: „Ich bin erst 24 und will noch ein bisschen meinen Spaß haben“, soll William Freunden erklärt haben. Untertanen dokumentierten diese Lebenslust mit Kamera-Handys und verkauften die Fotos an die Zeitungen: Hier liegt seine Hand fest auf der Brust der brasilianischen Studentin Ana Ferreira, dort küsst er die 19-jährige Lisa Agar satt auf die Lippen. „Schüchtern war er nicht“, erzählte Lisa später.

Nun wird über die Gründe der „einvernehmlichen“ Trennung spekuliert. Hat Kates Mutter die Beziehung auf dem Gewissen, weil sie zur Queen „Pleased to meet you“ sagte und die Middletons mit ihren Mittelschicht-Manieren einfach nicht fein genug waren? Ist Prinz Charles schuld, weil er seinen Sohn zu einer Entscheidung gedrängt hatte – „so oder so“, um Kate nicht länger schutzlos den Verfolgungen der Weltpresse auszusetzen? Hat gar die Queen den jungen Prinzen gewarnt, zu jung zu heiraten? Oder hat William, Kind geschiedener Eltern, einfach Eheangst?

In Wahrheit wissen wir, wie das geht. Auch ohne Psychologen, die erklären, dass es von 100 Studentenromanzen nur eine bis an den Traualtar schafft. „William hat Kate eben fünf Jahre zu früh kennen gelernt“, wird ein Vertrauter der königlichen Familie zitiert. Was uns betrifft, müssen wir auf ein Royal Wedding fürs erste verzichten. Aber wir freuen uns auf viele neue Geschichten über Prinz Williams Brautschau.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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