Prinz William muss zur Armee
“Tun, was die Männer tun“

Noch ein bisschen Winterromantik mit Freundin Kate Middleton in der Schweiz, dann muss Prinz William die Ski-Bretter mit dem Bügelbrett vertauschen. Am Sonntag soll er – das Bügelutensil unterm Arm – mit 270 neuen Kadetten in der Offiziersakademie Sandhurst einrücken. Bis zu seinem ersten Ausgang in fünf Wochen wird „Officer Cadet Wales“ dann aus den „Combat 95s“ genannten, overallähnlichen Uniformen nicht herauskommen.

HB LONDON. Und auch bei der Armee gilt: Eine saubere Bügelfalte ist untrügliches Markenzeichen eines Angehörigen der britischen Führungselite.

Der Prinz als Kadett, ohne Sonderrechte und Privilegien, so beginnt die „moralische, intellektuelle und physische“ Verwandlung des lässigen Universitätsabsolventen in einen Soldaten und Offizier der Armee Ihrer Majestät der Großmutter Queen. Colour Sergeant Nathan Allan wird den 23-Jährigen unter seine Fittiche nehmen. Er gilt als besonders scharfer Schleifer und soll die frühmorgendliche Stubenkontrolle noch genauer nehmen als Sergeant Vincent Gaunt, der Williams jüngeren Bruder Harry in Sandhurst ins militärische Leben einführte.

Eine Militärausbildung ist für einen künftigen britischen König praktisch unverzichtbar. Kraft Amtes wird William einmal Oberkommandeur der Streitkräfte. Ein bisschen militärischer Schliff kann da nicht schaden, auch wenn George II. der letzte König war, der eine britische Armee in die Schlacht führte – 1 743 gegen die Franzosen. Williams Vater, Prinz Charles, ließ sich zum Jetpiloten und Marinekommandeur ausbilden. Onkel Andrew flog im Falklandkrieg Hubschraubereinsätze. Und sogar der zarte Edward war bei den Marines, musste nach vier Monaten allerdings einsehen, dass ihm der Sinn fürs Militärische fehlte. Sein Vater, Prinz Philipp, hat ihm die Schande nie recht verziehen.

Mit dem Einzug in die „Royal Military Academy Sandhurst“ folgt William einer langen Tradition militärischer Eliteerziehung – nicht nur in der britischen Royal Family. König Hussein von Jordanien war Absolvent, so wie alle seine Kinder. Zuletzt machte Prinzessin Iman bint Hussein eine Grundausbildung mit.

In elf Monaten soll aus William nun nach den Lernzielen der Akademie ein „willensstarker Offizier“ werden, der sich durch „Integrität, Selbstlosigkeit und Loyalität“ auszeichnet, „tiefes Verständnis und Respekt für Individuen“ hat, die „Feinheiten der britischen Militärdoktrin“ kennt und Grundkampftechniken beherrscht. Diese militärischen Führungsqualitäten sollen ja auch im zivilen Leben Früchte tragen. Sandhurst bietet deshalb Unternehmen „aktionsbestimmtes Führungstraining“ an. Dabei werden „die neuesten Managementstile“ mit den „in 200 Jahren in Sandhurst entwickelten Komponenten der militärischen Führungsschulung“ verbunden. Das britische Rugby-Team ließ sich in der Militärakademie Kampfgeist und Charakter stärken – und wurde Weltmeister.

Der Gang der jungen Prinzen nach Sandhurst zeigt auch ein neues Leistungsdenken in der Royal Family. Hatte Charles’ Militärkarriere noch einen Hauch von Operettenschneidigkeit, mussten sich William und Harry echten Aufnahmeprüfungen unterziehen. „Man soll mich bloß nicht in Watte packen“, forderte William vor Monaten. Und wenn er später in die Armee eintritt, dann will er „hingehen, wo die Männer hingehen, und tun, was sie tun“. Notfalls, sollte das wohl heißen, auch im Irak.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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