Probebohrung
Geysire fluten Wiesbadens Straßen

Hessens Steuerquellen sprudeln schwächer – diese Mitteilung setzte Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) am Donnerstagnachmittag ab, da begann es neben seinem Ministerium schon zu blubbern und zu brodeln.
  • 2

HB WIESBADEN. Eine Probebohrung nach Erdwärme hatte in 130 Meter Tiefe eine Wasserblase angestochen. Unter hohem Druck bahnte sich das Wasser mehrere Wege nach oben und überflutete den Parkplatz des Ministeriums und eine der Hauptdurchgangsstraßen in Wiesbaden. Aus den Geysiren traten etwa 6000 Liter Wasser pro Minute aus. Als die Bohrfirma und die Feuerwehr versuchten, das größte Loch zu schließen, schoss eine fünf bis sechs Meter hohe Fontäne in die Luft. Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden ist auf vielen warmen Quellen gebaut.

Spät abends stand Weimars Büroleiter Michael Hohmann neben dem Ministerium und besah sich die Bescherung. Der Chef war per SMS informiert worden. „Weder das Ministerium noch das benachbarte Hotel sind in Mitleidenschaft gezogen“, sagte Hohmann.

Mit der erhofften Erdwärme soll ein Anbau des Ministeriums beheizt werden, der auf dem Parkplatz entsteht. Die Regierung von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) gilt nicht als Vorreiter bei alternativen Energien, sie muss sich oft von SPD und Grünen dafür schelten lassen. Doch dieses Gebäude sollte ein Vorbild werden. „Es wird im Passivhaus-Standard errichtet“, sagte Hohmann. Die Planungen seien weit fortgeschritten.

Die Fachleute warteten unterdessen stundenlang auf Beton, um das Bohrloch zu verfüllen. Das Gemisch, über das die Bohrfirma verfügte, reichte zunächst nicht aus. Das Rhein-Main-Gebiet ist zwar eine der wichtigen Wirtschaftsregionen in Deutschland, doch ein Laster voller Beton war so spät im weiten Umkreis nicht aufzutreiben. „Das ist eine ungünstige Zeit“, seufzte Einsatzleiter Wolfgang Simon.

Scheinwerfer beleuchteten die nächtliche Szenerie. Immer mehr Wasser und Schlamm überschwemmten den Parkplatz, in schmutzigen Pfützen schwamm braunes Herbstlaub. Der Finanz-Ministerialbeamte Hohmann übte sich angesichts der Flut in Galgenhumor: „Das Vorurteil, dass wir nicht liquide sind, können wir widerlegen.“

Kommentare zu " Probebohrung: Geysire fluten Wiesbadens Straßen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jede neue Technik hat auch seine Risiken.

    Das wäre nicht schlimm, aber mittlerweile gibt es bei Geothermiebohrungen etliche "Unfälle": zu nennen ist Stauffen (hier senkt sich der boden monatlich um einen Zentimenter und die Häuser bekommen Risse); weiter gibt es in basel nach Erdbohrungen immer wieder Erschütterungen; dann die bergschäden im Saarland.

    ich bin persönlich für den Ausbau von Wärmepumpen u. Geothermieprojekte, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Abläufe u. Wechselwirkungen der bohrungen mit dem Durchstechen von Wasseradern wissenschaftlich erforscht werden. Die technische Welt braucht ein beherrschbares Risiko - wenn es uns nicht gelingt müssen wir nach anderen Möglichkeiten der Energiegewinnung forschen.

  • Schlammvulkan nach bohrung in indonesien, Senkungen nach bohrung in der innenstadt von Stauffen, bergschäden im Ruhrgebiet und Saarland,......

    Durch bohrungen wird Grundwassser abgesenkt, und durch bruch von Wärmeleitungen wird das Grundwasser mit Glykol verseucht. Die bohrungen müssen aufhören.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%