Problembär „JJ1“ soll lebend gefangen werden
Finnen sind „Bruno“ wieder auf den Fersen

Auf der Suche nach dem Braunbären „JJ1“ können sich die eigens herbeigerufenen finnischen Bärenjäger im deutsch-österreichischen Grenzgebiet nun mit allen juristischen Vollmachten auf die Pirsch machen.

HB MÜNCHEN. Die vier Bärenfänger und ihre fünf Jagdhunde nähmen die Suche sternförmig um die letzte entdeckte Fährte des Bären im Karwendelgebirge in Tirol nur wenige Dutzend Kilometer von der Grenze zu Deutschland auf, sagte ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums am Montag. „Oberstes Ziel ist weiterhin, den Bären lebend zu fangen“, betonte er. Die Experten dürfen nach einer Anordnung des Tiroler Landesrates Anton Steixner nun alle Jagdreviere in Österreich ungehindert betreten. Am Sonntag mussten die Bärenfänger die Verfolgung einer Fährte des Braunbären abbrechen, da ihnen Jagdpächter den Zutritt zu ihrem Gebiet verweigerten.

Im österreichischen Scharnitz, knapp hinter der bayerischen Grenze, warteten die vier Männer und ihre fünf Suchhunde am Montag auf die nächste heiße Spur. Ideal wäre laut Experten eine weniger als eine Stunde alte Fährte. Doch Bär JJ1, so sein offizieller Name, hielt sich fürs Erste versteckt.

Wochenlang treibt sich das aus dem Trentin stammende Tier mit Spitznamen Bruno schon zwischen Bayern und Österreich herum und legt dabei ungewöhnlich große Strecken zurück. Seine blutigen Spuren hinterließ der Braunbär an vielen Stellen: Er riss fast 20 Schafe, ein Dutzend Hühner und einige Kaninchen. Seine Verfolger trickste der Braunbär schon rund 25 Mal aus. Zwei Bärenfallen, eine davon speziell für ihn in den USA angefertigt, ließ er links liegen.

„Hinweise, wo sich Bruno im Moment aufhält, gibt es derzeit nicht“, sagte Walter Wagner, der als Bärenanwalt der österreichischen Bundesforste den finnischen Jägertrupp begleitet.

Mit dabei sind außerdem ein Betäubungsspezialist der Uni Wien und zwei Wildbiologen der Uni Freiburg. Wagner ist wegen Bruno seit drei Wochen im Dauereinsatz und hofft jetzt auf die entscheidende Spur. „Je frischer die Fährte, desto besser.“ Dann kann der Suchtrupp sofort die Verfolgung aufnehmen.

Einen ersten Fangversuch mussten die extra eingeflogenen Jäger aus Helsinki am Sonntag abbrechen, weil ein Jagdpächter in Tirol die Genehmigung für sein Revier verweigerte. Bei Hall hatte Bruno sich wieder über einen Hasenstall hergemacht. Am Montag verhängten die österreichischen Behörden eine Zwangszustimmung, wie der Tiroler Landesrat Anton Steixner sagte. Bayern hatte entsprechende rechtlichen Voraussetzungen schon zuvor geschaffen.

Findet sich eine neue Fährte des Braunbären, verfolgen die speziell ausgebildeten Hunde Jimmy, Jeppe, Peni, Raiku und Atte, die zur Rasse der schwedischen und norwegischen Elchhunde zählen, die Spur. Ein bis zwei Stunden lang kann jedes der Tiere die extrem anstrengende Schnüffelarbeit leisten, wie Wildbiologe Felix Knauer berichtet. Dann wird abgewechselt. Entdecken die Hunde den Bären in einiger Entfernung, machen sie ihre Führer nur durch Wedeln aufmerksam, nicht aber durch Bellen.

Ist der Bär in Sicht, werden die Hunde von der Leine gelassen und sollen das Raubtier stellen, indem sie es leicht attackieren. Unterdessen will sich Tierarzt Christian Walzer bis auf 15 Meter nähern, um seinen Narkosepfeil mit den pinken Federn abzufeuern.

Die finnischen Jäger und die Bärenexperten sichern den Betäubungsspezialisten dabei mit scharfen Gewehren.

„Am besten ist es, in den Arsch zu schießen“, verrät Walzer, der Professor in Wien ist. Bei einem guten Treffer sei das Tier schon nach zwei Minuten „wie betrunken“ und nach fünf Minuten betäubt. Die vielfach erprobte Narkose wirke rund zwei Stunden.

Wie groß die Chancen sind, den rund zwei Meter großen und 100 Kilogramm schweren Bären lebend zu fangen, lässt sich laut Bärenanwalt Wagner schwer sagen. Noch nie sei ein Bär bei der Jagd betäubt worden. „In Finnland wird ein Bär nicht narkotisiert, sondern geschossen.“ Auch in Österreich, wo die Bärenpopulation seit 1972 auf rund 25 Tiere angewachsen ist, wurde bisher kein derartiger Fangversuch unternommen. In Deutschland ist Bruno der erste Bär in freier Wildbahn seit mehr als 170 Jahren.  Der Braunbär gilt auch für Menschen als gefährlich, weil er nicht die typische Furcht vor Menschen zeigt und sich nah an Höfe heranwagt. Anders als seine Artgenossen kehre er zudem nicht an die Orte zurück, wo er seine Beute reißt, sagte Susanne Gröf vom Artenschutzverband WWF Österreich. „Es ist eine sehr ernste Situation. Das Tier zeigt kein normales Bärenverhalten.“ 

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