Professoren kutschieren Touristen
Taxi in Teheran: Unterwegs im 50er-Jahre-Hillmann

Taxi fahren, heißt in Teheran Peykan fahren. Wichtig ist, den Kopf beim Einsteigen einziehen: Aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen hat die nationale iranische Automarke Abmessungen, die sich nicht an den Größenverhältnissen eines ausgewachsenen Mitteleuropäers orientieren. Dabei basiert der Peykan auf dem britischen Vauxhall -Hillmann, der in den 50er Jahren im Iran montiert wurde. Am Design hat sich spätestens seit den 70er Jahren wenig geändert: Es gibt neue Peykans, die haben einen Drehzahlmesser. Und es gibt alte Peykans, die haben noch nicht mal einen Türgriff, dafür bieten sie einen freien Blick in den Motorraum.

Teheran erstickt im Verkehr

Der Ritt durch die Stadt, die inzwischen 14 Millionen Einwohner zählt, ist vor allem zeitaufwändig: Teheran erstickt im Verkehr. Die Stadtregierung hat zwar schon wochentags ein Fahrverbot für alle Privatfahrzeuge im alten Stadtzentrum rund um den Basar verhängt. Doch in den weiten Außenbezirken drängeln sich die Autos, mindestens drei auf jeder Spur in stundenlangen Staus. Kein Wunder, dass einem Taxifahrer wie Reza da hin und wieder die Hutschnur platzt und er laut hupend einfach kurz das Heck des vorausstehenden Peykan „küsst“. Dessen Fahrer ist schon so apathisch, dass er nur kurz in den Rückspiegel schimpft.

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Taxifahren kann in Teheran sehr informativ sein, denn oft finden sich unter den Fahrern Leute mit ungewöhnlichen Lebensläufen. Bei „Taxi Jordan“, heißt es, kann man mit Glück von einem Universitätsprofessor für Linguistik gefahren werden und sich die Sprache aussuchen, in der man sich unterhalten will. Auch Reza ist kein hauptberuflicher Fahrer. So wie er gehen viele Teheranis mehreren Jobs nach: Reza kommt auf vier. Und auf maximal fünf Stunden Schlaf in der Nacht. Eigentlich ist ein ganz „normaler“ Angestellter einer staatlichen Organisation. Doch vor allem aufgrund der exorbitanten Mieten reicht das Geld, rund 500 Euro im Monat, hinten und vorne nicht.

Viele Komplimente zum Schluss

Der Rest des Gehalts wird von den in den vergangenen Jahren rasant gestiegenen Preisen aufgefressen: Staatlich nicht subventionierte Produkte wie Fruchtsäfte, Butter oder Fleisch kosten inzwischen fast so viel wie in Europa. Reza ist 35 und hat drei Söhne, der jüngste ist gerade sechs Monate alt. Seine Frau kann da nicht arbeiten. Er fährt deshalb Taxi, bis er umfällt. „So schlimm wie heute, war es noch nie“, sagt er.

Das Ende einer Taxifahrt wird trotzdem mit „Tarof“ eingeleitet. Dahinter verbirgt sich die komplizierte Form persischer Höflichkeit, die in der Regel darin besteht sich gegenseitig mit Komplimenten zu überschütten. Reza verzichtet zunächst auf eine Entlohnung, wegen der angeregten Unterhaltung. Am Ende lässt er sich doch überreden, die 1200 Tuman anzunehmen: Der Standartpreis mit Trinkgeld. Das sind etwa 1 Euro.

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