Prognose 2006
Auf geht’s!

Die Aktienmärkte machen es wieder einmal vor und beweisen sich mit ihrer Jahresrally als bester Konjunkturindikator. Erst schien aller Optimismus auf Sand gebaut, weil die Konjunktur nicht anspringen wollte. Doch jetzt schickt Deutschland sich an, wieder kraftvoller zu wachsen und dazu noch die rote Euro-Land-Konjunkturlaterne abzugeben. Allerdings sind die Risiken, dass sich das Wachstum als Strohfeuer entpuppt, enorm.

HB DÜSSELDORF. Egal, ob globale Konzerne wie Bayer, Continental und MAN oder heimisch-orientierte Firmen wie die auf den Kauf mittelständischer Betriebe spezialisierte Indus Holding: Die Kurse fast aller Aktien steigen und steigen. Und das bei einer mauen Konjunktur und einer Verdopplung des Wertes vor Beginn des neuerlichen Börsenaufschwungs. Auch früher schon hatten die Börsen lange im Voraus zuverlässig Auf- und Abschwünge der Wirtschaft vorhergesagt. Zuletzt ab Frühjahr 2000 die Durststrecke in den Folgejahren.

Neben den Börsen laufen aber auch die Realgewinne der großen und von der Weltkonjunktur unabhängigen deutschen Unternehmen bereits wie geschmiert. Dem Rekordjahr 2004 folgte ein weiteres - und 2006 kommt das dritte. Jahr für Jahr sind die Analysten überrascht und heben ihre Schätzungen nach oben an.

Genau das vollziehen nun auch die wichtigen Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschlands Bruttoinlandsprodukt (BIP). "Nach fünf Jahren gibt es klare Signale, dass die konjunkturelle Flaute überwunden ist", sagte der Präsident des Münchener Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn. So werden aus 1,2 Prozent des Ifo-Instituts 1,7 Prozent und aus 1,1 Prozent des Kieler Instituts für Weltwirtschaft 1,5 Prozent.

Allein die Bundesregierung verharrt noch bei ihren 1,2 Prozent. Nicht dass ausgerechnet der Wirtschaftsminister pessimistischer ist als die Experten. Das wäre ein Novum. "Es sieht so aus, als ob es eine Trendwende gibt", reibt sich Neu-Amtschef Michael Glos verwundert die Augen ob des plötzlichen Sinneswandels der Institute. Schließlich sind wir Gegenläufiges gewohnt: Stets beschworen die Experten die Wende fürs zweite Halbjahr. Wurde es dann wieder nichts, mussten die Weisen ihre Prognosen nach unten korrigieren.

Doch spätestens in ihrem Bundeswirtschaftsbericht im Januar wird auch die Regierung ihre Zahlen nach oben anpassen. Und das mit der üblichen Kettenreaktion: So wie in der Vergangenheit niedrigeres Wachstum mehr Arbeitslose, weniger Steuereinnahmen und damit immer höhere Staatsschulden verursachten, drehen sich jetzt die Vorzeichen um - diesmal aber mit der großen Chance, 2006 weniger Schulden neu anzuhäufen als jetzt noch befürchtet.

"Die deutsche Wirtschaft wird 2006 ein beeindruckendes Comeback feiern", ist sich Elga Bartsch von Morgan Stanley sicher. Für die Deutschland-Expertin des amerikanischen Bankhauses ist Deutschland "nicht mehr der kranke Mann Europas", sondern wächst 2006 ungefähr gleich stark wie die übrige Euro-Zone. Bereinigt um die Zahl der Arbeitstage, erwartet sie ein Plus von zwei Prozent.

Dabei war es lange wie verhext. Zwar profitierten 2004 und 2005 die globalen Konzerne im Deutschen Aktienindex (Dax) vom Aufschwung der Weltkonjunktur. Doch der Rest - samt den vielen Mittelständler - zog nicht mit. Das Gros war vom Boom in Asien und den USA, aber auch vom zarten Wachstum in weiten Teilen Europas abgekoppelt. Doch warum sind jetzt die Chancen, dass der Aufschwung an Fahrt und vor allem an Breite gewinnt, größer als in all den vergangenen fünf Jahren?

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