Protestantentreffen
Evangelischer Kirchentag wird vom G8-Gipfel beeinflusst

Beim 31. Protestantentreffen wollen über 300 000 Gläubige eine Botschaft an die Staats- und Regierungschefs in Heiligendamm senden. Globaliserung sei kein Schicksal, sondern eine Gestaltungsaufgabe, sagte Kirchentagspräsident Reinhard Höppner.

HB KÖLN. Der Evangelische Kirchentag in Köln will mit Blick auf den heute gleichzeitig startenden G8-Gipfel in Heiligendamm „Brücken bauen“ und „Fronten auflockern“. Das betonte Kirchentagspräsident Reinhard Höppner am Mittwoch unmittelbar vor dem offiziellen Beginn des Protestantentreffens. Zum 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag unter dem Motto „lebendig und kräftig und schärfer“ erwarten die Veranstalter etwa 100 000 Dauerteilnehmer. Zu einzelnen Veranstaltungen sollen über 300 000 Teilnehmer kommen. Die Themen des Kirchentags seien geprägt durch den Gipfel, sagte Höppner. Es gehe um gerechte Weltwirtschaft, Afrika, Klimaschutz und die Konflikte im Nahen Osten.

Geistliche aus den G-8-Staaten wollen am Donnerstag eine Botschaft an den Weltwirtschaftsgipfel in Heiligendamm richten. „Es wird ganz sicher einen Ruf aus Köln nach Heiligendamm geben“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, am Mittwoch im WDR. Über den genauen Wortlaut werde noch beraten, fügte Huber hinzu. Es habe sich jedoch bereits gezeigt, dass der Grundgedanke der Botschaft an den G-8-Gipfel „einvernehmlich mitgetragen wird“. „Dieser Grundgedanke heißt 'gerechte Teilhabe'“, sagte Huber.

Für Donnerstagabend ist in Köln eine Veranstaltung unter dem Titel „Die Macht der Würde: Globalisierung neu denken - Ruf an den G-8-Gipfel in Heiligendamm“ geplant. Auf der Veranstaltung zu Füßen des Kölner Doms soll neben Bischof Huber unter anderem auch der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu ein Statement abgeben.

Mit Blick auf die Globalisierungsdebatte vertrat Kirchentagspräsident Reinhard Höppner die Auffassung, evangelische Christen müssten G-8-kritisch sein. „Die Globaliserung ist kein Schicksal, sondern eine Gestaltungsaufgabe“, sagte Höppner im Deutschlandradio Kultur. „Und so, wie sie derzeit von den Mächtigen der Welt gestaltet wird, ist vieles absolut nicht akzeptabel und widerspricht der Grundbotschaft, die wir als Christen in der Welt zu verkünden haben.“ Zugleich bezeichnete Höppner die Ausschreitungen von G-8-Demonstranten in Rostock als „inakzetabel“. Die Gewaltbereiten seien genauso gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Menschen wie viele andere auch. „Dadurch, dass sie Steine werfen, lenken sie von den Sachfragen ab, über die wir reden müssen“, sagte Höppner.

Weitere zentrale Themen sind der interreligiöse Dialog und die Ökumene. „Das gemeinsame Abendmahl werden wir schmerzlich vermissen“, sagte Höppner, der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Kurz vor Beginn des Kirchentags hatte der Kölner Kardinal Joachim Meisner bekräftigt, dass Katholiken dort nicht am protestantischen Abendmahl teilnehmen dürften. Dies entspricht der Position der katholischen Kirche, während nach protestantischem Verständnis alle Getauften zum Abendmahl eingeladen sind. Köln sei zugleich auch eine Station auf dem Weg zum zweiten Ökumenischen Kirchentag in München 2010, sagte Höppner.

Zu jüngsten Misstönen zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Koordinierungsrat der Muslime (KRM) sagte Höppner, die Kirchentagsbewegung werde in Köln auch die Chance wahrnehmen, „frei von amtskirchenlichen Sachzwängen“ den Dialog mit den Muslimen voranzubringen. Dem derzeitigen „Klimasturz“ wolle sich der Kirchentag nicht beugen, sondern „erwärmend“ wirken.

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