Proteste in Athen

Rentner-Selbstmord löst Krawalle aus

Wieder kam es in Athen zu Protesten gegen die Sparpolitik der griechischen Regierung. Anstoß dafür gab der Selbstmord eines Rentners, der sich mitten in der Innenstadt wegen der Schuldenkrise erschoss.
Update: 05.04.2012 - 09:58 Uhr 21 Kommentare

Athen versinkt im Krawall

AthenNach dem Selbstmord eines vermutlich verschuldeten Rentners ist es in Athen zu spontanen Protesten gegen die Sparpolitik der Regierung gekommen. Dabei gab es am Mittwochabend Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei, wie Fotografen der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Der 77-jährige Mann hatte sich auf dem Syntagma-Platz durch einen Kopfschuss getötet. Auf diesem Platz finden seit gut zwei Jahren Proteste gegen die Sparprogramme der Regierung statt.

Die Polizei feuerte mit Tränengas und Blendgranaten auf die Demonstranten, die mit Steinen und Molotowcocktails auf die Beamten warfen. Berichte von Festnahmen oder Verletzten gab es zunächst nicht. Die anfänglich friedliche Demonstration war eine Reaktion auf den Selbstmord des pensionierten Apothekers. In einem Abschiedsbrief hatte er griechischen Medienberichten zufolge geschrieben, dass die Regierung es ihm unmöglich mache, von seiner Rente zu leben, nachdem er 35 Jahre für sie eingezahlt habe. Augenzeugen zufolge rief er vor seiner Tat, dass er seinen Kindern keine Schulden hinterlassen wolle.

Die Gedenkstätte vor dem griechischen Parlament, an der Stelle, an der sich der Apotheker im Ruhestand das Leben genommen hatte. Quelle: dpa

Die Gedenkstätte vor dem griechischen Parlament, an der Stelle, an der sich der Apotheker im Ruhestand das Leben genommen hatte.

(Foto: dpa)

Die Verzweiflungstat sorgte in der griechischen Öffentlichkeit für Empörung und heftiger Kritik an der Regierung. An einem Baum am Ort des Selbstmords waren am Mittwochabend Dutzende Nachrichten aufgehängt worden, auf denen unter anderem „Es war Mord, kein Selbstmord“ und „Sparmaßnahmen töten“ zu lesen war. Auch die rund 1.500 Demonstranten, die sich am Abend zu der Kundgebung außerhalb des Parlaments versammelt hatten, warfen in ihren Sprechchören der Regierung vor, für die Tat des Rentners verantwortlich zu sein. Für den Donnerstag waren weitere Proteste geplant.

Ministerpräsident Lukas Papademos drückte in einer am Mittwochabend veröffentlichten Erklärung sein Bedauern über den Tod des Mannes aus:„Es ist tragisch, dass einer unserer Bürger sich das Leben genommen hat“, so der Regierungschef. „In diesen schwierigen Momenten für unsere Gesellschaft, Regierung und Bürger müssen wir Menschen unterstützen, die in Not sind.“ Regierungssprecher Pantelis Kapsis bezeichnete den Selbstmord als „menschliche Tragödie“, die aber nicht Teil einer politischen Debatte werden sollte.

  • afp
  • dapd
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21 Kommentare zu "Proteste in Athen: Selbstmord eines überschuldeten Rentners löst Krawalle aus"

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  • @spekulation-Ich bin ganz Ihrer Meinung. Niemand aber auch wirklich niemand, der hier im Forum, diesen Mann boese verurteilt hat-weiss ueberhaupt nichts von diesem Mann. Diese Ueberheblichkeit und Beurteilungen sind fuerrrchterlich. Auch koennen, diejenigen einmal in dieselbe Lage kommen. Es geht denen noch viel zu gut und sie haben noch keine Ahnung was eine Hoelle die Welt gegen den Mensch sein kann. Ich bedauere diesen Mann, der sehr grosses Leid, allein,mit sich herumtrug,niemand hatte mit dem er sich aussprechen konnte. Richtet nicht auf das Ihr nicht gerichtig wird.

  • @Barnie

    Unsere Politiker verwechselt absichtlich IMMER die Deutschen mit den deutschen DAX-Konzernen (deren Aktienbesitzer weltweit verstreut sind). Den DAX-Konzernen mag es ja gut gehen, aber der deutsche Steuerzahler also der Privatperson geht es nicht gut. Obwohl man ca. 50 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, wird man zukünftig Altersarmut erleiden, wenn man nicht zusätzlich selbst vorsorgt, weil Deutschland im Gegensatz zu England oder die Schweiz alles den PIGS gibt, damit diese früher in Rente gehen können, eine Rente bekommen, die weit über ihre Lebensleistung liegt und Reiche bei den PIGS keine Steuern bezahlen müssen. Ist das gut? Z.B. ist in allen Ländern, die nach Transfer schreien, der Spitzensteuersatz niedriger als in Deutschland. Das gleiche gilt auch für das Renteneintrittsalter. Wo sind denn die vielen Reformen bei den PIGS seit 2010? Ich sehe keine echten Änderungen. Ich sehe seit 2010 immer nur höhere Rettungsschirmforderungen und Inflation, aber keine wirklichen Reformen bei den PIGS.

    Tatsache ist: Würden die Reichen der PIGS so Steuern zahlen wie in Deutschland, bräuchten sie überhaupt kein Transfergeld.

  • Nein ich glaube die Richtlinien in der Politik (in D) bestimmen ganz andere Leute als die von Ihnen Aufgezählten. Deren Namen ließt man nicht in der Presse und ihre Gesichter wissen die schon seit Jahrzehnten gut zu verstecken.
    Aber wer Rothschild, Goldman, Rockefeller & Co. aufzählt, dürfte den Nagel voll den Kopf treffen.

  • Die deutsche Automobil- und Exportwirtschaft hält unsere demokratisch gewählten Regierungen doch schon seit Jahren in Geiselhaft.
    Die Richtlinien der Politik bestimmen doch Ackermann, Winterkorn, Keitel, Lösche, Zetsche, Großmann, Reitzle, Bock, Hainer, Dekkers usw. und nicht Bundeskanzlerin Merkel.
    Damit 20 % weiterhin Ressourcen verschwenden und ihren Reichtum mehren können, müssen 80 % sich immer weiter einschränken und verarmen.
    Der Profit und Gewinn des einen, ist der Ruin und die Armut des anderen.

  • "Proteste in Athen:
    Selbstmord eines überschuldeten Rentners löst Krawalle aus"

    Wird das jetzt zur mentalen Vorbereitung für/gegen die DEUTSCHEN ALTEN genutzt?
    "IDIOTENTEST" für alte Autofahrer,
    "Sozialverträgliches Frühableben", bereits 1998 als das Unwort des Jahres von Ärztekammerpräsident Karsten Vilmar verwendet,
    "Rentenverminderung",
    "Hilfsmittel-Verweigerung" für Alte und Kranke
    usw.
    Alles nur »dumme« Zufallsäußerungen? Sollen sie doch gleich sagen, was sie in Wirklichkeit wollen: Vermutlich eine anders betitelte Euthanasie bei gleichzeitiger Erhöhung der Erbschaftssteuer auf mindestens 90 % – und die restlichen 10 % gehen dann sicher für die »Restentsorgung« drauf…

    Es geht eben nichts über »Wirtschaft«, wobei der »Markt-« vergewaltigt und das »Soziale« übergangen wird. Und daß man sich in jeder [Eck-] Wirtschaft die Birne vollaufen lassen kann, ist bereits Kindern bekannt… Den »Zufallsäußerern« vermutlich aber aus eigener Erfahrung.

    So wird Peter Alexanders »kleine Kneipe« ins Negative verkehrt.

  • Woher wissen Sie, dass er über seine Verhältnisse gelebt hat. Kannten Sie ihn?
    Man weiss nichts über den Hintergrund...also sollte man Schlüsse offen lassen und sich an den Fakten orientieren.

  • Der Mann hat über 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt. Seine Rente wurde so weit gekürzt, dass er kurz davor stand, sich vom Müll und öffentlichen Küchen zu ernähren. Als ehemaliger Apotheker wohl gemerkt.

  • Wieviel politischen Einfluss haben Sie? Wahrscheinlich beinahe keinen ausser einem Kreuzchen alle paar Jahre. Wieviel politischen Einfluss wird er gehabt haben? Genauso viel. Ich glaube, Sie verstehen das ganze Problem nicht so richtig. Das Problem der Schere der Gesellschaft.

  • Um die Tat wirklich beurteilen zu können, gibt es zuwenig Informationen. Dennoch ist es schon ein Fakt, dass die Selbstmordraten (nicht nur in Griechenland) nicht linear steigend sind. Eine Korrelation mit der Krise ist deutlich. Ein vorschnelles Urteil ist nicht angebracht, da die Verzweiflung doch sehr gross gewesen sein muss angesichts der Tatsache, dass er sich öffentlich vor dem Regierungsgebäude erschiesst und hiermit zur Metapher wird, was die Richtung der jetzigen Poltik betrifft und zwar europaweit. Ein Rentner, der sich erschiesst, weil er keinen Ausweg mehr sieht. Bravo Brussel!

  • Es wird wie immer in den Mittelmeerländern zu überheblich und theatralisch reagiert und schwadroniert. Der Mann hat eben vorher über seine Verhältnisse gelebt. Außerdem ist das nur ein Einzelschicksal und für die Gemeinschaft im Generellen gar nicht von Belang. Also was soll´s schon. Hose enger schnallen und durch !

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