Prozess-Auftakt gegen Oscar Pistorius: Die erste Zeugin stützt die Anklage

Prozess-Auftakt gegen Oscar Pistorius
Die erste Zeugin stützt die Anklage

Ein eigener TV-Kanal, Journalisten aus dem In- und Ausland, eine nachrichtenhungrige Öffentlichkeit: Der Mord-Prozess gegen Oscar Pistorius hat am heutigen Montag für den Angeklagten schlecht begonnen.
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PretoriaEs ist kurz vor zehn als Oscar Pistorius im schwarzen Anzug durch einen Seiteneingang in den Gerichtssal D im Obergericht von Pretoria tritt. Wie schon bei seiner Kautionsanhörung vor einem Jahr wirkt der an beiden Unterschenkeln amputierte Ausnahmeathlet auch diesmal müde und tief bedrückt. Teilnahmslos starrt er zu Boden als er auf dem Weg zur Anklagebank die erste Reihe der Zuschauergalerie passiert, in der seine gesamte Familie, aber auch June Steenkamp sitzt, die Mutter seiner von ihm erschossenen Freundin. Alle vermeiden jedweden Augenkontakt.

Es ist der Moment, auf den viele Menschen in Südafrika ein Jahr lang hingefiebert haben: einer der bekanntesten und einst populärsten Sportler der Welt muss sich an diesem Montag vor der Richterin Thokozile Masipa und zwei Beisitzern wegen des Verdachts auf Mord an seiner Freundin verantworten.  Über ein Jahr nach der Tat am Valentinstag soll in den nächsten Wochen geklärt werden, ob Pistorius wirklich ein Mörder ist: Hat er das Fotomodell Reeva Steenkamp (29), vielleicht aus Eifersucht, vielleicht aus Jähzorn,  mit Vorsatz erschossen wie die Staatsanwaltschaft behauptet. Oder war es alles nur ein Versehen wie der 27jährige selbst behauptet. Er habe Reeva in der verhängnisvollen Nacht für einen Einbrecher gehalten. Diese Version wird wenig später auch sein Staranwalt  Berry Roux  verlesen.  

Zunächst aber verzögert sich der  Prozessbeginn um fast 90 Minuten, weil ein Übersetzer fehlt. Erst als die Richterin die Verhandlung gegen 11.30 offiziell eröffnet, werden zur Erleichterung der vielen live zugeschalteten Fernsehsender auch die drei ferngesteuerten Kameras eingeschaltet, die weite Teile des Prozesses weltweit übertragen werden. Strikte Auflagen beim Filmen sollen aber auch eine ungestörte Verhandlung gewährleisten und  die Rechte des Angeklagten schützen. So werden alle Aussagen von Pistorius sowie  der Zeugen der Verteidigung nicht direkt gezeigt. Live übertragen werden hingegen die Aussagen der 107 Zeugen der Anklage, der Polizisten und Experten aber auch die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger am Anfang und Ende des Verfahrens.

Mit dem Verlesen der Anklage durch Staatsanwalt Gerrie Nel geht es dann auch sofort zur Sache. Neben der Mordanklage sind im November noch weitere Anklagepunkte gegen Pistorius wegen Verstößen gegen das Waffenrecht hinzugekommen: Zum einen soll er 2012 durch das offene Dachfenster eines Autos Schüsse in die Luft abgegeben haben - mit der gleichen Waffe übrigens, die Steenkamp später tötete. Und nur wenige Wochen vor dem mutmasslichen Mord soll er bei einem Restaurantbesuch so lange fasziniert an der Waffe eines Freundes herumhantiert haben, bis sich ein Schuss löste, der aber nur in den Fußboden ging.

Staatsanwalt Nel gilt als harter Hund und einer der besten Strafverfolger des Landes. Vor ein paar Jahren hat er den amtierenden Polizeichef und späteren Interpol-Präsidenten Jackie Selebi wegen Korruption für 15 Jahre ins Gefängnis geschickt. Im Land kennt man Nel, seit er Selebi ins Gesicht sagte, er arroganter Lügner zu sein. Im vergangenen Jahr konnte Nel den damals für die erste Pistorius-Anhörung zuständigen Richter überzeugen, den Sportstar wegen Mordes anzuklagen. Nun liegt es an an dem schlagfertigen Juristen, diesen Vorwurf auch zu beweisen.

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