Prozess gegen Femen Oben ohne im Kölner Dom

Am ersten Weihnachtstag 2013 sprang eine junge Frau barbusig auf den Altar des Kölner Doms. Nun muss sich Femen-Aktivistin Josephine Witt vor Gericht für die Aktion verantworten.
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Die Femen-Aktivistin Josephine Witt im Kölner Dom: Sie wollte nach eigenen Angaben gegen die katholische Kirche und deren Machtstrukturen protestieren. Quelle: dpa

Die Femen-Aktivistin Josephine Witt im Kölner Dom: Sie wollte nach eigenen Angaben gegen die katholische Kirche und deren Machtstrukturen protestieren.

(Foto: dpa)

KölnMan sollte meinen, dass Joachim Meisner einen gehörigen Schreck bekam, als ihm am ersten Weihnachtstag im Kölner Dom eine barbusige Frau auf den Altar sprang. Aber der Kardinal nahm es gelassen. „Wissen Sie“, sagt er jetzt zur Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin 80 Jahre alt. Ich habe so viel erlebt: erst die Nazizeit, dann die ganze kommunistische Zeit – da kann mich sowas doch nicht schrecken.“

Gleichwohl steht die Femen-Aktivistin an diesem Mittwoch (3. Dezember) vor Gericht. Bei Youtube lässt sich die Szene nachverfolgen. Die Frau steht schreiend auf dem Altar, auf ihrem Oberkörper prangt in schwarzen Buchstaben die Parole „I am god“ – ich bin Gott. Männer, darunter einige rot gekleidete Domschweizer (Domwächter), zerren sie herunter und schleppen sie weg.

Die Frau heißt Josephine Witt und bezeichnet sich als Femen-Aktivistin. Unmittelbar nach der Aktion sagte sie der Deutschen Presse-Agentur, sie habe damit gegen die katholische Kirche und deren Machtstrukturen protestieren wollen.

„Gerade Köln gilt als Hochburg der Katholiken in Deutschland, und Meisner steht für eine sehr konservative Ausrichtung“, sagte sie. Inzwischen ist Meisner allerdings im Ruhestand – sein Nachfolger Rainer Woelki macht bisher vor allem durch Flüchtlingshilfe von sich reden.

Witt war im vergangenen Jahr auch an einer Aktion gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin beteiligt. Damals waren sie und ihre Mitstreiterinnen von Putins Leibwächtern gestoppt worden. Im Dom wurde Witt – obschon bereits überwältigt – von einem Gottesdienstbesucher geohrfeigt. Das Verfahren gegen ihn wurde gegen Zahlung von 500 Euro eingestellt.

Witt hingegen muss sich wegen Störung der Religionsausübung vor dem Amtsgericht verantworten. Sollte sie für schuldig befunden werden, drohen ihr bis zu drei Jahre Gefängnis. Die Femen erinnern auf ihrer Website an den Protest von Pussy Riot in einer russisch-orthodoxen Kirche in Moskau. Als die Bandmitglieder dafür inhaftiert worden seien, hätten deutsche Bürger und Politiker scharf protestiert.

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