Prozess gegen Kapitän
Anwaltsstreik gefährdet Start des „Costa Concordia“-Prozesses

Der Prozess gegen den Kapitän der havarierten „Costa Concordia“ könnte sich weiter verzögern. Grund ist ein Anwaltsstreik in Italien. Aber auch, wenn der Prozess pünktlich am Dienstag beginnt, könnte er Jahre dauern.
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Grosseto/RomEin Streik der Anwälte in Italien hat den planmäßigen Beginn des Prozesses gegen den „Costa“-Unglückskapitän Francesco Schettino an diesem Dienstag kurzfristig infrage gestellt. Wegen des Ausstands wurde der für Montag vorgesehene Abschluss der Voranhörungen zur Havarie des Kreuzfahrtschiffes auf den 20. Juli verschoben. Am Dienstag sollte das Gericht im toskanischen Grosseto entscheiden, ob das Verfahren gegen Schettino wie geplant beginnt oder auf den 17. Juli vertagt wird.

Die Anwälte in Italien wollen noch bis zum 16. Juli streiken, um gegen Justizreformen zu protestieren. Wenn auch die in den Prozess involvierten Anwälte streiken, könnte der Prozess um die Havarie der „Costa Concordia“ erst danach beginnen. Kapitän Schettino ist dann voraussichtlich der einzige Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und das Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vor. Die „Costa Concordia“ hatte im Januar 2012 mit rund 4200 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord vor der italienischen Toskana-Insel Giglio einen Felsen gerammt, war aufgeschlitzt worden und gekentert. 32 Menschen starben bei dem Unglück, darunter zwölf Deutsche. Das Wrack liegt immer noch vor der Küste, es soll im September aufgerichtet und weggeschleppt werden.

Das Verfahren könnte ein Mammutprozess werden, der sich über mehrere Monate hinzieht. Für den einzigen Angeklagten Schettino war vorab über eine Haftstrafe von bis zu 20 Jahren spekuliert worden. Der Prozess könnte sich über Jahre hinziehen.

Ursprünglich wollte das Gericht zum Ende der Voranhörungen am Montag beschließen, ob es Absprachen über das Strafmaß zwischen der Staatsanwaltschaft und fünf weiteren Beschuldigten zulässt. Fast alle beteiligten Verteidiger hatten jedoch erklärt, wegen des Streiks nicht an der Voranhörung teilzunehmen, weshalb die Entscheidung auf Samstag kommender Woche verschoben wurde.

Die fünf Beschuldigten – der indonesische Steuermann, zwei Offiziere, der „Costa“-Krisendirektor und der Hotelmanager des Schiffes – hatten sich mit der Staatsanwaltschaft auf das jeweilige Strafmaß geeinigt. Wenn das Gericht die Deals zulässt, sollen sie ohne Beweisaufnahme zu Haftstrafen zwischen 20 und 34 Monaten verurteilt werden, wie die regionale Zeitung „La Nazione“ berichtete.

Die Reederei Costa Crociere und die Kommune Giglio wollen in dem Prozess gegen Schettino als Nebenkläger auftreten und Schadenersatz fordern. Allein die Insel Giglio verlange 80 Millionen Euro, sagte ein Sprecher. Auch Überlebende und Angehörige der Opfer werden zum Prozess in Grosseto erwartet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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