Prozess gegen Klatten-Erpresser
Kurzer Prozess für den Frauenflüsterer

So schnell sich der Klatten-Erpresser offenbar in die Herzen wohlhabender Frauen schleichen konnte, so schnell hat ihm jetzt das Landgericht München den Prozess gemacht: Sechs Jahre muss Helg Sgarbi ins Gefängnis, weil er die Milliardärin Susanne Klatten und weitere Opfer erpresst und betrogen hat. Immerhin, einen kleinen Gefallen hat der gestrauchelte Gigolo den Damen noch getan.

HB MÜNCHEN. Immerhin hat der Angeklagte zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Damit hat er der reichsten Frau Deutschlands und den drei anderen Opfern erspart, als Zeugen vor Gericht erscheinen zu müssen. Die ganze Angelegenheit ist für sie ja schon peinlich genug.

In dem Verfahren, das unter großem Zuschauerinteresse stattfand, wundern sich Beobachter gleich beim ersten Anblick über den Herzensbrecher. Denn ein Schönling ist der Mann nicht, der die Milliardärin Susanne Klatten und andere wohlhabende Frauen verführt, um 9,3 Millionen Euro betrogen und erpresst hat. "So gut sieht der gar nicht aus", sagt eine der Zuschauerinnen, als der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt wird. Doch der 44-jährige Schweizer wirkt selbstbewusst. Mit einem Lächeln, aufrecht und elegant im dunklen Dreiteiler gekleidet, stellt er sich dem Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Vom Verhalten vieler anderer Angeklagter, die ihr Gesicht unter Jacken oder hinter Zeitungen zu verstecken suchen, zeigt er keine Spur. Sogar für einen kleiner Scherz ist er anfangs noch aufgelegt. Nur beim Urteil des Münchner Landgerichts - sechs Jahre Haft - presst er seine Lippen kurz aufeinander und schaut zu Boden. Doch auch jetzt fängt er sich schnell wieder.

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Was Sgarbi ausstrahlt ist eine Mischung aus sanftem, wachem Beobachten seines Gegenübers und Selbstsicherheit. Es ist wohl diese Ausstrahlung, mit der es ihm gelang, wohlhabende Frauen zu verführen und auszunehmen, obwohl sie selbst sein Verhalten und die Geschichten, die er ihnen auftischt, teilweise bizarr finden.

Sogar Susanne Klatten, die reichste Frau Deutschlands, Herrin über den Chemiekonzern Altana, Großaktionärin bei BMW, erliegt diesem Charme. Die in ihrem Privatleben als vorsichtig, zurückhaltend geltende verheiratete Frau und Mutter von drei Kindern, lässt sich von S. verführen, heimlich bei einem Schäferstündchen filmen und mit Lügen sieben Millionen Euro aus der Tasche ziehen. Erst als Sgarbi seine Maske endgültig fallen lässt und Klatten mit dem Sex-Video zu erpressen versucht, wacht sie auf und zeigt ihn an.

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